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Eingeschränkter Betrieb:

 

Archiv, Bibliothek und Museum Ab Montag, 8. Juni 2020 wird ein eingeschränkter Betrieb wieder zu den gewohnten Zeiten möglich sein. Die Anzahl der verfügbaren Plätze ist aufgrund der gesetzlichen Anforderungen (Covid-19) beschränkt. Der Besuch des Lesesaals (Archiv und Bibliothek) ist nur gegen bestätigte Voranmeldung möglich:

Archiv: rene.bienert@vwi.ac.at
Bibliothek: barbara.grzelak@vwi.ac.at

 

Der Besuch des Museums ist für max. vier Personen gleichzeitig wieder erlaubt. Die Sicherheit der BenutzerInnen und MitarbeiterInnen hat oberste Priorität. Wir ersuchen Sie, den behördlich vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz selbst mitzubringen und während ihres Aufenthalts zu tragen. Handdesinfektionsmittel werden bereitgestellt.

Gábor Szegedi

Research Fellow (10/2014 - 08/2015)

 

Antisemitismus und Sexualität: Sexualerziehung, Eheverbot, ‚Rassenschande’

 

Szegedi webIn Ungarn führte die Welle der antisemitischen Gesetzgebung nach 1938 und die mit dieser in enger Verbindung stehende Sozial- und Wirtschaftspolitik, die auf eine Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums auf Kosten ‚der Juden‘ abzielte, zu unterschiedlichen Bemühungen den Begriff ‚jüdisch‘ zu definieren. Jüdinnen und Juden wurden nun zu einer ‚Rasse‘ gemacht und ihnen ein besonderer ‚Geist‘ zugeschrieben. Gemeinsam mit der Zurückdrängung des angeblichen jüdischen Einflusses auf das Sozial- und Wirtschaftsleben, startete der ungarische Staat ein Projekt zur Trennung von ‚Juden‘ und ‚Nicht-Juden‘ auf physischer Ebene, indem es wünschenswerte und nichtwünschenswerte Körper definierte. Die tiefgreifendste Maßnahme im Bereich dieser Körperpolitik war das Ehegesetz des Jahres 1941: Es untersagte Eheschließungen auf rassi(sti)scher Basis und führte den Begriff der ‚Rassenschande‘ ein. Der private Körper wurde so dazu benutzt, die Grenzmarkierungen der Nation mit einer ‚anständigen Sexualität‘ sowie die Schwelle zwischen Zugehörigkeit und Anderssein zu bezeichnen. In seiner Dissertation untersuchte Szegedi die unterschiedlichen Diskurse der Sexualität in Zwischenkriegsungarn, besonders die Frage, wie sexuelles Wissen an junge, unverheiratete Erwachsene weitergegeben wurde. Diesmal werden diese Texte bzw. die Praxis der Sexualerziehung und vorehelichen Beratung dem biopolitischen Normalisierungsprozess der gerichtlich anhängigen ‚Rassenschandeverfahren‘ nach 1941 gegenübergestellt. Damit wird auf den Stellenwert der Sexualität für das Verständnis des Antisemitismus in Zwischenkriegsungarn hingewiesen.

 

Gábor Szegedi studierte Amerikanistik und Politologie an der ELTE und der CEU in Budapest, mit Studienaufenthalten in Turku/Åbo, Berlin und Durham. Im Juni 2014 verteidigte er seine Dissertation zur Sexualerziehung, Eheberatung und vorehelicher Gesundheitsuntersuchung im Ungarn des 20. Jahrhunderts am Department for History der CEU. Er arbeitete als Übersetzer, Mittelschullehrer und war fünf Jahre als Analyst und politischer Berater an der australischen Botschaft in Budapest tätig.

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