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Gerhard Baumgartner & Anna Lujza Szász: Neue Richtungen in der Roma-Holocaust-Forschung
   

Mittwoch, 20. Februar 2013, 16:00 - 17:30

Balassi Institut – Collegium Hungaricum Wien 1020 Wien, Hollandstraße 4

 

VWI goes to Collegium Hungaricum

 

Gerhard Baumgartner: Das "Zigeunerlager Lackenbach"
Das ‘Zigeunerlager Lackenbach’ – eine der wichtigsten Stätten der nationalsozialistischen Verfolgung und Ermordung deutscher und österreichischer Roma und Sinti – ist eines der letzten großen Lager der NS-Zeit, über das bislang keine zusammenfassende Monografie vorliegt. Im Zuge der großen Forschungsprojekte der 1990er-Jahre zeigte sich, dass sich wichtige Quellen für eine Geschichte des Lagers in verschiedenen österreichischen Regional- und Lokalarchiven befinden, die mangels einer systematischen Suche unbekannt geblieben waren. Mithilfe dieser neuen Quellen, der Akten der nach Kriegsende durchgeführten Verfahren gegen Mitglieder der Wachmannschaften sowie den Augenzeugenberichten von Überlebenden, die in Opferfürsorgeakten aufgefunden werden konnten, sollen nun die Lücken der Lagergeschichte geschlossen werden, darunter die Entstehungsgeschichte des Lagers, die vorangegangenen Diskussionen oder die Intentionen der daran beteiligten Ämter. Gleichzeitig soll der Versuch unternommen werden, eine möglichst vollständige Liste der rund 4.000 Gefangenen zu erstellen. Ziel dabei ist es auch, das Lager in einen größeren Zusammenhang mit anderen Anhalte- und Zwangsarbeitslagern für Roma und Sinti sowie dem KZ-Lagersystem insgesamt zu stellen.

 

Anna Lujza Szász: Erforschungen der Erinnerung an den Roma Holocaust in Ungarn
Von vereinzelten Forschungsvorhaben abgesehen ist die Geschichte der Erinnerung an den Roma-Holocaust in Ungarn noch nicht umfassend erforscht worden. Die Untersuchung der Erinnerung an den Holocaust der Roma wird sich dabei des von James Edward Young geprägten Begriffs einer "collected memory" bedienen. Dieser schlägt vor, dass es keine zusammengefasste, strukturierte gemeinsame Erinnerung gibt, sondern dass Erinnerungen verstreut sind, jede Erinnerung ihre eigene Definition und Interpretation des Geschehenen auf- bzw. abruft. Dementsprechend ist das kollektive Gedächtnis einer Gemeinschaft eine Ansammlung verschiedener, manchmal widersprüchlicher Erinnerungen. Um eine funktionierende Gesellschaft zu etablieren, müssen Institutionen Erinnerungen organisieren, formen oder arrangieren. Der erste Teil der Forschungsarbeit wird sich temporäreren wie Dauerausstellungen zum Roma-Holocaust in Ungarn widmen. Der zweite Teil beschäftigt sich schließlich mit dem Museum als Ort des Experiments dafür, Mittel und Formen zu entwickeln, kulturelle Belange erfassbar zu machen: Visuelle Kunst wird dabei als Werkzeug begriffen, um historische Sinnbildungen mithilfe visueller und imaginärer Rahmensetzungen zu produzieren – in diesem Fall im Zusammenhang mit dem Holocaust.


Kommentar: Maria Anna Six-Hohenbalken

 

Gerhard Baumgartner ist Senior Fellow, Anna Lujza Szász ist Junior Fellow am Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien.

Maria Anna Six-Hohenbalken ist Forscherin am Institut für Sozialanthropologie der ÖAW, und Lektorin am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien.

 

In Zusammenaerbeit mit:

 

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Interview des Volksgruppen-ORF mit Anna Szász

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