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Simon Wiesenthal Lectures

 

Die Vortragsreihe der Simon Wiesenthal Lectures hat sich seit 2007, noch in der Aufbauphase des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien (VWI), in Zusammenarbeit mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien als tragendes Element der Vermittlung neuerer wissenschaftlicher Ergebnisse im Bereich der Holocaustforschung bzw. der Holocaust- und Genozid-Studien zum Flaggschiff der Vermittlungstätigkeit des VWI entwickelt.

 

Die regelmäßig, alle sechs bis acht Wochen stattfindende Vortragsreihe setzt sich zum Ziel, mithilfe renommierter Wissenschafterinnen und Wissenschafter die aktuellsten Forschungsergebnisse zum Holocaust sowohl einem Fach- als auch einem breiteren Publikum zu präsentieren – und dabei das beeindruckende Spektrum dieser Disziplin, die zahlreichen Frage- und Problemstellungen von der empirisch-analytischen Historiografie bis zu kulturwissenschaftlichen Themen, jüngere Wissenschafterinnen und Wissenschafter ebenso wie bereits arrivierte zu berücksichtigen.

 

Mit dem Österreichischen Staatsarchiv als Kooperationspartner hat sich seit Juni 2010 das Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs am Wiener Minoritenplatz als idealer Veranstaltungsort der Lectures etabliert. Auf der Rückfront des Bundeskanzleramts befindlich, erzählt dieser Schauplatz symbolisch gleichzeitig ein wenig die Geschichte der Aufarbeitung des Holocaust in Österreich: Jahrzehntelang wurde er ja, ebenso wie seine unmittelbare Vorgeschichte, der österreichische Antisemitismus, marginalisiert, aus der eigenen Geschichte ausgenommen und dessen Aufarbeitung den Opfern und ihren Nachkommen zugeschanzt. Erst in jüngster Zeit hat sich dies geändert. Gleichzeitig damit rückte die Schoah auch mehr und mehr in das Zentrum des österreichischen Geschichtsbewusstseins, geriet von der verdrängten Peripherie, aus dem Tabu und Schweigen langsam in den Fokus zum Verständnis der jüngsten Geschichte Österreichs. Somit sind die Simon Wiesenthal Lectures an einem Ort, der das symbolische und reale Zentrum der Republik repräsentiert, eben auch Ausdruck dieser Wende in der österreichischen Geschichtsauffassung.

   

 

Simon Wiesenthal Lecture
Yfaat Weiss: Zur Untermiete. Über Metaphern und Lebenswelten
   

Donnerstag, 6. Dezember 2018, 18:30 - 20:00

Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, 1010 Wien, Minoritenplatz 1

 

Im Pariser Exilverlag Libella erschien 1985 der Roman Sublokatorka (Die Untermieterin) von Hanna Krall. Im kommunistischen Polen fand er damals nur im Untergrund Verbreitung. Erst 1989, im Jahr des Umbruchs, wurde er dort offiziell publiziert und später ins Deutsche, Englische, Hebräische und andere Sprachen übersetzt. Aufmerksamkeit erregten seine autobiographischen, die historische Realität reflektierenden Anspielungen. Zudem fand er Eingang in die damals prosperierenden Gedächtnis- und Traumastudien. Übersehen wurden dabei seine tiefen, auf Universalien gerichteten Einsichten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um das sogenannte polnische Holocaust-Gesetz, das Anfang des Jahres in Kraft trat, bietet sich ein Wiederlesen an.

Yfaat Weiss ist Historikerin mit Professuren an der Hebräischen Universität Jerusalem sowie der Universität Leipzig und Direktorin des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit jüdischer, deutscher und israelischer Geschichte, mit dem Schwerpunkt materieller Kultur und Gedächtnis. Zu ihren zahlreichen Publikationen gehören: Lea Goldberg. Lehrjahre in Deutschland 1930–1933, Verdrängte Nachbarn. Wadi Salib und Haifas enteignete Erinnerung sowie Deutsche und polnische Juden vor dem Holocaust. Jüdische Identität zwischen Staatsbürgerschaft und Ethnizität 1933–1940.

64 Weiss Web

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