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Simon Wiesenthal Lecture
Susanne Heim: Zuflucht und Utopie. Österreich-jüdische Emigration in die Dominikanische Repulik
   

Donnerstag, 14. Juni 2012, 18:30

Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Minoritenplatz 1, 1010 Wien

 

Die Dominikanische Republik gilt den meisten Europäerinnen und Europäern heute als das Urlaubsparadies schlechthin: Weniger bekannt jedoch ist, dass gerade dieser kleine Antillenstaat österreichischen, deutschen und tschechischen Jüdinnen und Juden im Zweiten Weltkrieg als Fluchtpunkt vor dem Nationalsozialismus diente. Während die meisten Länder nach dem »Anschluß« Österreichs ihre Grenzen gegen den Andrang von Flüchtlingen abriegelten, bot ausgerechnet der diktatorisch regierte Inselstaat in der Karibik den Verfolgten eine Zuflucht. Das American Jewish Joint Distribution Committee baute in Sosúa, an der Nordküste des Landes, ein landwirtschaftliches Vorzeigeprojekt nach dem Muster der Kibbuzzim auf, das für Zehntausende Flüchtlinge konzipiert war. Doch nur einige Hundert, darunter viele Wienerinnen und Wiener, erreichten die Insel.

In der Geschichte dieses Siedlungsprojekts werden die Entwicklungslinien des 20. Jahrhunderts sichtbar: die Kapitulation der demokratischen Staaten vor der antijüdischen deutschen Politik, das Konzept eines an sozialistischen Ideen orientierten Agrarprojekts und sein Scheitern sowie schließlich die Migration als Motor der Modernisierung.

 

Susanne Heim, Historikerin und Politikwissenschaftlerin ist Projektkoordinatorin der Edition »Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945«. Zu ihren weiteren Forschungsschwerpunkten gehören die Wissen- schaftsgeschichte sowie die Migrations- und Bevölkerungspolitik im 20. Jahrhundert. Zusammen mit Hans-Ulrich Dillmann veröffentlichte sie Fluchtpunkt Karibik. Jüdische Emigranten in der Dominikanischen Republik (2009).

 

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