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Justyna Majewska

Junior Fellow (11/2018–05/2019)

 

Streiflichter der sozialen Veränderungen im Warschauer Ghetto, 1940 und 1942

 

MAJEWSKADas Dissertationsvohaben von Justyna Majewskas untersucht die sozialen Veränderung der im Warschauer Ghetto eingepferchten jüdischen Gemeinde durch die Augen der Juden selbst, sowie auch durch jene der Nationalsozialisten und der Polen. Vor dem Hintergrund diverser sozialwissenschaftlicher Studien wird dabei das Warschauer Ghetto als ein Raum abrupten und traumatischen sozialen Wandels gesehen: Terror, Plünderung und Segregation führten zu Verarmung und zum Verfall sozialer Strukturen. Die Analyse erstreckt sich auf die Jahre 1940 bis 1942, als die isolierte jüdische Gemeinde am stärksten den sozialen Veränderungen ausgesetzt war – wobei der Ursprung dieser unterschiedlichen sozialen und politischen Prozesse ihren Ursprung durchaus auch schon in den 1930er-Jahren und davor hatten.

 

In einem ersten Schritt wird der Prozess der Gründung des Warschauer Ghettos untersucht. Ausgangspunkt ist dabei die nationalsozialistische Begrifflichkeit für ein Ghetto vor dem Krieg im Vergleich zu den Ghettos im besetzten Polen und im Rahmen der Umsiedlungspläne ‚Nisko’ und ‚Madagaskar’.

 

Was das Leben im Ghetto aus jüdischer Perspektive betraf, waren hier Ängste und Vorahnungen die bestimmenden Elemente. Die Antworten und Reaktionen auf die aufgezwungene Realität wurzelten in persönlichen Erfahrungen sowie in der Geschichte der Verfolgung von Juden. Auch wenn die NS-Schergen die jüdische Gemeinschaft im Ghetto als homogene Gruppe sahen, war sie doch komplex: Politische Zirkel blieben oft aktiv, Zionisten, Sozialisten und Bundisten, akkulturierte und religiöse Juden überlegten nicht nur, wie sie überleben könnten, sondern machten sich auch durchaus Gedanken über die Zukunft. Intensive Debatten drehten sich so um eine zukünftige soziale Struktur des Judentums, die Sprache, Bildung und potenzielle Berufe für Juden nach dem Krieg.

 

Zuletzt wird die polnischen Perspektive auf das Ghetto aufgerollt. Ausgehend von den polnischen, in den 1930er-Jahren von rechtsgerichteten Intellektuellen und Politikern entwickelten Konzeptionen eines Umgangs mit nationalen Minderheiten, wird untersucht, inwieweit Polen, insbesondere die Intelligenz, ihre negative Haltung gegenüber Juden nach der Erfahrung des Ghettos ändern konnten.

 

In der Dissertation werden Dokumente aus dem Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos (Ringelblum-Archiv) des Jüdischen Historischen Instituts in Yad Vashem und des USHMM verwendet ebenso wie Unterlagen von NS- und deutschen Behörden, Artikel der polnischen Presse und Tagebücher von Vertretern der polnischen Intelligenz.

 

Justyna Majewska ist Doktorandin an der Graduate School for Social Research am Institut für Philosophie und Soziologie der polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau. Sie ist Redaktionsmitglied der polnischen Zeitschrift Zagłada Żydów. Studia i materiały (Die Schoah. Studien und Materialien). Ihren Master der Kulturwissenschaften machte sie an der Maria Curie-Sklodowska University in Lublin und besuchte einen Graduiertenkurs zur Museologie der Zeitgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, war EHRI Fellow in Yad Vashem. Sie ist Herausgeberin der Kalisz-Briefe im Rahmen einer Edition von Dokumenten aus dem Ringelblum-Archiv.

 

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