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Dubnow-Wiesenthal-Fellowship

 

Im Sommer 2017 fassten die Leitungen des Leipziger Simon-Dubnow-Instituts und des VWI die Möglichkeit eines gemeinsamen Fellowships ins Auge, wobei bei der Themenauswahl die jeweiligen Forschungsschwerpunkte – ‚Jewish Studies’ bzw. Antisemitismus, Holocaust und Rassismus – der beiden Einrichtungen zusammengeführt werden sollen. Nach einem ersten Probelauf wird über die weitere Antragstellung, die künftigen Auswahlkriterien entschieden bzw. muss die Finanzierung – ausschließlich über Drittmittel – gesichert werden.

 

István Pál Ádám

Dubnow-Wiesenthal-Fellow (02/2018–06/2018)

 

Ungarisch-jüdische Juristen auf dem Pfad der Moderne

 

ADAMJüdische Mittelklasse-Familien spielten eine entscheidende Rolle in der Modernisierung Ungarns. Unter dieser Prämisse wird das Forschungsvorhaben den Beitrag jüdisch-ungarischer Rechtsanwälte für die Entwicklung des ungarischen Rechtssystems untersuchen. Es fokussiert dabei auf in Budapest lebende und wirkende Rechtsanwälte zwischen 1867 – dem Jahr des Ausgleichs – und 1947 – dem Jahr der kommunistischen Machtübernahme. Ihre Leistungen wiewohl ihr Aktivismus zeigten sich am meisten in ihrem Kampf für Emanzipation und soziale Gleichstellung der Jüdinnen und Juden, was anhand von Unterlagen aus diversen Budapester Archiven wie ganz persönlicher Dokumente illustriert wird.

Die wichtigsten Beispiele rekurrieren dabei auf Leben, Wirken und die einzelnen Rechtsfälle von Géza Dombovári Schulhof Senior und seinem Sohn Géza Junior. Géza Senior wurde 1848 geboren und starb 1918, während Géza Junior 1878 geboren wurde und in der Zeit des Holocaust Selbstmord verübte. Beide besaßen in Budapest ihre eigenen Rechtsanwaltsbüros, und beide waren sowohl in öffentlichen als auch rechtswissenschaftlichen Fragen involviert. Géza Dombóvári Schulhof engagierte sich politisch, als die Frage der Emanzipation der Jüdinnen und Juden noch immer Neuland war und die Bevölkerungsmehrheit sich diese Entscheidung mit allen Möglichkeiten querstellte: sei es über den Vorwurf von Ritualmorden oder mittels parlamentarischer Interventionen. Sein Sohn wiederum musste sich mit weit brutaleren Formen des Antisemitismus in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzen.

Gleichzeitig trugen beide mit ihren akademischen Arbeiten fundamental zur Entwicklung des ungarischen Rechtssystems bei. Mittels der Darstellung ihrer Biographien, ihrer Rechtsfälle – und mittels des Vergleiches zu anderen Fällen – wird dieses Projekt die Geschichte von Hunderten anderen jüdisch-ungarischen Rechtsanwälten umreißen.

 

István Pál Ádám, absolvierte sein Doktoratsstudium in Geschichte an der Universität Bristol. Sein erstes Buch Budapest Building Managers and the Holocaust in Hungary (Palgrave Macmillan, 2016) wurde zu Teil während seines Junior Fellowships am VWI verfasst. Ádám war infolge zwei Jahre lang Postdoctoral Fellow an der Karls-Universität Prag und dem französischen CEFRES Institut. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen gehören Paramilitary Extremism in Interwar Hungary and its Anti-Jewish Argumentation, die in der Zeitschrift des Masaryk-Instituts Střed/Centre 1/2017, 9-33 veröffentlicht wurde.

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