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Alma Mater Revisited
Norman Domeier: Weltherrschaft und Völkermorden. Die Lochner-Version der Hitler-Rede vom 22. August 1939 als Schlüsseldokument nationalsozialistischer Weltanschauung
   

Thursday, 27. October 2022, 15:00 - 17:00

Wiener Wiesenthal Institut, 1010 Wien, Research Lounge, Rabensteig 3, 3. Stock

 

Alma Mater Revisited

AMR DomeierEigentlich sollte die Geheimrede Hitlers vor der Wehrmachtführung am 22. August 1939 auf dem Obersalzberg zu einem zentralen Beweisstück des Nürnberger Prozesses 1945/46 werden. Denn in dieser Ansprache, wenige Tage vor dem deutschen Angriff auf Polen, hatte der „Führer“ all seinen wichtigen Generälen enthüllt, dass er für die Deutschen die „Erd-Herrschaft“ anstreben und über kurz oder lang alle „minderwertigen Rassen“ vernichten lassen werde. Die gesamte Wehrmachtführung war somit zum Mitwisser der Menschheitsverbrechen geworden, die wenige Tage später ins Werk gesetzt wurden. Kein deutscher General erhob Protest oder versuchte gar, den Diktator unschädlich zu machen. Man tat im Gegenteil alles, um den größenwahnsinnigen Plänen in den folgenden Jahren militärisch zum Sieg zu verhelfen.

Allerdings gelang es in Nürnberg nicht, die Weitergabe dieser Geheimrede am 25. August 1939 an den Berlin-Korrespondenten der amerikanischen Nachrichtenagentur AP, Louis Lochner, durch den militärischen Widerstand unter Admiral Canaris zu rekonstruieren. Alle Beteiligten waren bis 1945 von den Nationalsozialisten ermordet wurden: Bis auf Louis Lochner, der sogar während des Prozesses aus Nürnberg für AP berichtete, aber weder als Zeuge aufgerufen noch auch nur namentlich genannt wurde.

Die Hintergründe und Zusammenhänge, die einem Polit- und Geschichtsthriller ähneln, werden in dem Vortrag erstmals umfassend rekonstruiert. Dadurch wird auch die „Lochner-Version“ rehabilitiert, die in den 1960er und 1970er Jahren von deutschen Historiker:innen als Fälschung verworfen wurde, um das Narrativ von der „sauberen“ Wehrmacht zu retten. Diese Quelle stellt ein Schlüsseldokument für die globalen Pläne Hitlers und die Mitwisserschaft der Wehrmachtführung dar. Von der internationalen Geschichtswissenschaft muss sie neu entdeckt werden.

Norman Domeier, Studium der Geschichts-, Politik- und Medienwissenschaft in Göttingen, Cambridge und am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, ist DAAD-Gastprofessor für deutsche und europäische Geschichte an der Karls-Universität Prag. Sein Forschungsinteresse umfasst die politische Kultur- und Mediengeschichte der europäischen Moderne, insbesondere das Verhältnis von Macht und Öffentlichkeit. Für sein Buch Der Eulenburg-Skandal. Eine politische Kulturgeschichte des Kaiserreichs (Campus Historische Studien 55, 2010) hat er den „Geisteswissenschaften International“-Preis des Deutschen Börsenvereins erhalten. Die englische Ausgabe kam 2015 als The Eulenburg Affair. A Cultural History of Politics in the German Empire bei Camden House heraus. Im Dezember 2021 erschien seine Habilitationsschrift Weltöffentlichkeit und Diktatur. Die amerikanischen Auslandskorrespondenten im „Dritten Reich“ im Wallstein Verlag.

Bitte melden Sie sich unter This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. bis 25.10.2022, 12:00, an und bringen Sie einen gültigen Lichtausweis mit!

Abbildung, Quelle: Lochner Papers/Wisconsin Historical Society

Mit der Teilnahme an dieser Veranstaltung stimmen Sie der Veröffentlichung von Fotos, Video- und Audioaufzeichnungen zu, die im Rahmen der Veranstaltung entstehen.

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