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Wiedereröffnung am 8. Februar

 

Ab 8. Februar 2021 können Archiv und Bibliothek nach Voranmeldung (telefonisch oder per E-Mail) wieder benutzt werden. Ein Besuch im Museum ist für maximal zwei Personen gleichzeitig wieder möglich. In allen Fällen gilt ein verpflichtendes Tragen einer FFP2-Maske und das Einhalten des Mindestabstands von zwei Metern.

Telefonisch ist das Institut Montag bis Freitag von 10-16 Uhr erreichbar: +43-1-890-15-14

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By facilitating international access to an unprecedented range of key archives and collections related to the Holocaust as well as archival and digital humanities expertise, the EHRI Conny Kristel Fellowships support and stimulate Holocaust research conducted by researchers, archivist...Weiterlesen...
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Research Fellowships 2021/2022 des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien (VWI)

 

Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) gibt die Ausschreibung seiner Research Fellowships für das Studienjahr 2021/2022 bekannt.

 

Das VWI ist eine noch zu Lebzeiten von Simon Wiesenthal initiierte und konzipierte, vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, dem Bundeskanzleramt sowie von der Stadt Wien geförderte wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation von Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus und Holocaust. Schwerpunkt der Forschungsarbeit ist der Holocaust in seinem europäischen Zusammenhang, einschließlich seiner Vor- und seiner Nachgeschichte. Zudem ermuntern wir ForscherInnen aus dem Feld der Digital Humanities mit holocaustrelevanten Themen zur Bewerbung.

 

 

Als Research Fellows können sich promovierte Forscherinnen und Forscher bewerben, die bereits wissenschaftliche Publikationen vorgelegt haben. Sie erhalten am Institut die Möglichkeit, einem selbst gewählten Forschungsvorhaben im Bereich der Holocaust-Forschung nachzugehen. Ziel des Aufenthaltes am VWI ist über die Forschungstätigkeit hinausgehend die Kommunikation und wissenschaftliche Interaktion mit den anderen Fellows am Institut. Es wird erwartet, dass Research Fellows die wissenschaftliche Arbeit des Instituts fördern und die Junior Fellows bei ihren Forschungsvorhaben beratend unterstützen. Die Research Fellows sind verpflichtet, regelmäßig am VWI anwesend zu sein.

 

Eingereichte Projekte der Research Fellows behandeln die Forschungsthematik des VWI; Fragestellung, Verfahren und Methoden stehen frei. Die Bestände des institutseigenen Archivs stehen ihnen zur Verfügung. Ihre Einbeziehung in die Forschungsarbeit ist erwünscht. Ergebnisse werden im Kreis der Fellows diskutiert und in regelmäßigen Abständen einem größeren Publikum präsentiert. Am Ende des Aufenthalts ist ein Artikel vorzulegen, der begutachtet und im E-Journal des VWI, S:I.M.O.N. – Shoah: Intervention. Methods. Documentation. veröffentlicht wird.

 

Die Dauer der Research Fellowships beträgt mindestens sechs, maximal elf Monate. Erfahrungsgemäß sind Aufenthalte zwischen neun und elf Monaten für die wissenschaftliche Arbeit der Fellows am ergiebigsten. Sie erhalten am VWI einen Arbeitsplatz mit EDV- und Internet-Zugang. Die Höhe des Stipendiums beträgt € 2.200.- monatlich. Zusätzlich trägt das VWI die Unterkunftskosten (bis € 700.-) während des Aufenthalts sowie die Kosten der An- und Abreise (Economy bzw. Bahnfahrt 2. Klasse). Für Recherchen außerhalb Wiens oder eventuell anfallende Kopierkosten außer Haus steht ein einmaliges Budget in der Höhe von weiteren € 500.- zur Verfügung.

 

Die Auswahl der Research Fellows erfolgt durch den Internationalen Wissenschaftlichen Beirat des VWI.

 

Eine Bewerbung ist mit folgenden Unterlagen in Deutsch oder Englisch möglich:

 

  • einem ausgefüllten Antragsformular,
  • einer ausführlichen Beschreibung des Forschungsvorhabens, die die Ziele des Projekts enthält, den Forschungsstand und methodische Überlegungen (maximal 12.000 Anschläge),
  • einer Publikationsliste und einem Lebenslauf mit Foto, falls die entsprechenden Felder nicht schon im Antragsformular ausgefüllt worden sind (fakultativ).

 

Die Anträge sind bis 27. Jänner 2021 in elektronischer Form (in einem PDF-Dokument zusammengefasst) mit dem Betreff „VWI-Research Fellowships 2020/2021“ an

 

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zu richten. Sollten Sie keine Bestätigung über den Erhalt Ihres Antrages erhalten, ersuchen wir Sie, uns zu kontaktieren.

 

Die zukünftigen Research Fellows werden angehalten, zu versuchen, einen Teil ihrer Fellowships über ein Stipendium der Stipendienstiftung der Republik Österreich zu finanzieren, und nach der Benachrichtigung über die Zuerkennung des Fellowships einen diesbezüglichen Antrag zu stellen.

Rita Horváth

Research Fellow (10/2017–05/2018)

 

Wut und Erinnerung verhandeln. (Wieder)ErlebteErfahrungen ungarisch-jüdischer Kinderzwangsarbeiter in Wien und Umgebung 1944–1945 in Memoiren und Zeugnissen

 

HORVATHDie Erfahrungen ungarisch-jüdischer Kinder, die 1944/1945 nach Wien und Umgebung zur Zwangsarbeit verschleppt wurden, stehen im Mittelpunkt des Projektes – vor allem interessiert die Frage, wie sich diese später in ihren literarischen Erinnerungen und Zeugnissen niederschlagen. Eine Besonderheit dieses Kapitels des Holocaust besteht darin, dass die Mehrheit der Zeugenberichte von Deportierten stammt, die zu dieser Zeit Kinder waren, und damit gerade die Erinnerungen von Kindern eine wichtige Quelle für die Erforschung der Zwangsarbeit in Wien darstellen. Aufgezeigt wird nicht nur der Stellenwert dieser Dokumente, sondern auch, welche Fülle von entscheidenden Informationen aus diesen Zeugnissen der überlebenden Kinder gewonnen werden kann.

 

Zur Beschreibung und Erörterung dieser Texte kommen literaturwissenschaftliche und historische Methoden zur Anwendung. Zudem werden diese Texte mit anderen, im Rahmen großer Oral-History-Projekte gesammelten nichtliterarischen Zeugnissen von Kindern verglichen: Ziel ist es, die zentralen Themen sowie deren Stellenwert in der Gesamterzählung zu identifizieren und jene Emotionen festzumachen, die die Zeugnisse der überlebenden Kinder ungarisch-jüdischer Zwangsarbeit in Wien bestimmen.

 

Rita Horváth, Literaturwissenschaftlerin und Historikerin, promovierte 2003 an der Bar-Ilan Universität (Ramat Gan, Israel). Seit 2010 ist sie Research Associate an der Brandeis University (Waltham, MA, USA) und Research Fellow des International Institute for Holocaust Research in Yad Vashem. Seit 2004 ist sie Lektorin im Rahmen des Programms für Holocaust-Studien der Eötvös-Loránd-Universität Budapest, zwischen 2005 und 2012 lehrte sie englische sowie Holocaust-Literatur an der Bar-Ilan Universität. Ihre Forschungsschwerpunkte sind der Holocaust in Ungarn, Holocaust-Literatur, Traumaforschung und Literaturtheorie.

Michal Frankl

Research Fellow (10/2018–03/2019)

 

BürgerInnen des Niemandslandes. Jüdische Flüchtlinge und die Aushöhlung des Bürgerrechts in Ostmitteleuropa, 1935–1938

 

FRANKLÜber das ganze Jahr 1938 hinaus entstanden entlang der ostmitteleuropäischen Staatsgrenzen ganz eigentümliche, neue Territorien, quasi Niemandsländer für Flüchtlinge. Kleine oder auch größere Menschengruppen wurden gezwungen, an Straßen, auf Äckern, in baufälligen Gebäuden, zwischen Grenzposten oder hinter Grenzen interniert zu kampieren. Von einer Erkundung dieser Niemandsländer ausgehend, wird die Entwicklung einer restriktiven Flüchtlingspolitik in Ostmitteleuropa untersucht und dabei die Verschiebungen und Verwerfungen hin zu einem mehr und mehr ethnisch definierten (Staats)Bürgerverständnis ab der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre analysiert.

 

Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Vorgeschichte, der Umsetzung und den Folgen auf die im großen Maßstab erfolgten Ausweisungen von Juden, die zu Grenzschließungen und härteren ordnungspolitischen Maßnahmen gegenüber jüdischen Flüchtlingen und zur Ausbürgerung von Juden führten. Im Vordergrund steht dabei ein besseres Verständnis des Zusammenspiels zwischen der Marginalisierung von ausgebürgerten Juden und jüdischen Flüchtlingen sowie die schrittweise Aushöhlung der Staatsbürgerschaft sowie der Bürgerrechte der verbliebenen jüdischen Gemeinwesen.

 

Michal Frankl ist Senior Researcher am Masaryk Institut und Archiv der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und leitet ein Work Package im Rahmen des EU-Projekts European Holocaust Research Infrastructure. Er zeichnet für mehrere Veröffentlichungen zur Geschichte des Antisemitismus, der Flüchtlingspolitiken und des Holocaust in den Ländern Tschechiens sowie Ostmitteleuropa.

Diana Dumitru

Research Fellow (02/2019–07/2019)

 

Vom Freund zum Feind? Der Sowjetstaat und seine Juden nach dem Holocaust

 

DUMITRUVorrangiges Ziel des Projekts ist die Klärung dessen, wie die Sowjetgesellschaft sich den Folgen des Holocausts stellte. Wie gestaltete sich die Wechselbeziehung zwischen folgenden drei Dynamiken:
(i) Begegnungen von Juden und Nichtjuden,
(ii) den diesbezüglichen Strategien und Taktiken des Sowjetstaates und
(iii) den unterschiedlichen Pfaden, die sowohl von sowjetischen Jüdinnen und Juden, Nichtjuden sowie staatlicherseits eingeschlagen wurden, wenn es darum ging, die Implikationen des Holocaust zu erfassen und einen neuen, in der Zukunft zu beschreitenden Weg für die sowjetische Gesellschaft zu finden.

 

Konkret wird gefragt, inwieweit vom sowjetischen Staat und seinen Eliten im Spätstalinismus eine antisemitische Agenda betrieben wurde – und was die offenen und/oder versteckten Kanäle waren, diese Agenda an die Mittelspersonen der unteren Ebenen weiterzugeben, damit diese das Programm umsetzen können. Mit diesem Ansatz werden aber gleichzeitig auch die Implikationen der stalinistischen Politik gegenüber anderen ‚Nationalitäten’ der Sowjetunion angesprochen.

 

Diana Dumitru ist Dozentin für Geschichte an der staatlichen Universität Ion Creangă in Moldawien. Sie ist Verfasserin von mehr als dreißig wissenschaftlichen Artikeln und zwei Büchern: The State, Antisemitism and the Collaboration in the Holocaust: The Borderlands of Romania and the Soviet Union wurde 2016 bei Cambridge University Press veröffentlicht. Sie ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des EU-Projekts European Holocaust Research Infrastructure.

Kateřina Králová

Research Fellow (08/2020–05/2021)

 

(INTER)MISSION. Zur Trennung von Eltern und Kindern in europäischen Konflikten des 20. Jahrhunderts

 

Web KralovaK(INTER)MISSION untersucht und erörtert, wie sich Flüchtlingskinder aus Konfliktzonen und jenen sozialen und kulturellen Zusammenhängen, bei denen sie in ihren Gastländern lebten und wirkten, auf ihre Herkunft und Zugehörigkeit zurückbesinnen. Das Projekt konzentriert sich auf Displaced Children, die vom Zweiten Weltkrieg bis in den Kalten Krieg hinein von Gewalt bedroht und von ihren Eltern getrennt wurden. Dabei werden drei Fallbeispiele untersucht: die Kindertransporte (1938/1939), der Griechische Bürgerkrieg (1946–1949) und der Ungarische Volksaufstand (1956). Analysiert werden die Strategien, mittels derer sich die Kinder über die Trennung von ihren Familien und die daran anschließende Relokalisierung auseinandersetzten: nicht nur während ihrer Kindheit, sondern auch als Erwachsene. Hierbei dienen soziale Zugehörigkeit, Adaptierungsmechanismen und Haltungen gegenüber Krieg als zentrale analytische Variablen und Kategorien.

 

Kateřina Králová ist Dozentin für Zeitgeschichte und Leiterin des Lehrstuhls für Russisch- und Osteuropastudien an der Karls-Universität in Prag. Von ihr liegen zahlreiche Publikationen zum Umgang mit der NS-Vergangenheit, dem Holocaust und seinen Folgen vor, wie z.B. das Buch Das Vermächtnis der Besatzung verfasst. Deutsch-griechische Beziehungen seit 1940 (Böhlau, 2016; BpB 2017). Ihr zweites Buch, eine Studie über Holocaustüberlebende in Griechenland in der Nachkriegszeit, befindet sich derzeit in Begutachtung.

 

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Petre Matei

Research Fellow (01/2021 – 7/2021)

 

Deportationen von Roma nach Transnistrien während des Zweiten Weltkriegs. Zwischen zentraler Entscheidung und lokaler Initiative

 

Web Matei Die Deportationen von rumänischen Roma im Zweiten Weltkrieg waren die Folge der schon lange zuvor vollzogenen Ausgrenzung durch lokale AkteurInnen. Um die Deportationen und die Möglichkeit ihrer Durchführung besser zu verstehen, müssen ältere Haltungsmuster gegenüber Roma in bestimmten Milieus wie nationalistischen Parteien, Exekutivorganen und in der Eugenik mit Maßnahmen verglichen werden, die während des Zweiten Weltkriegs ergriffen wurden.

 

Während des Zweiten Weltkriegs erlitten Roma ganz unterschiedliche Schicksale. Was zu diesen sehr unterschiedlichen Schicksalen führte, steht im Mittelpunkt der Fragestellung des Forschungsvorhabens. Bei der Verfolgung der Roma kamen unterschiedliche Agenden zusammen, die je nach spezifischem Kontext entweder zusammenwirkten oder gegeneinander verliefen. Auf jeden Fall trugen sie zu einer weiteren Radikalisierung der Ausgrenzungspraktiken bei.

 

Faktisch blieben die Kriterien für eine Identifikation der ‚unerwünschten’ Roma jeweils vage und subjektiv, was lokalen InteressenvertreterInnen wiederum gestattete, diese situativ auszulegen und zu verhandeln. Gleichzeitig werden in dieser Untersuchung die von den deportierten Roma eingesetzten Selbstverteidigungsstrategien analysiert.

 

Petre Matei ist Forscher am Nationalen Institut für Holocaust-Forschung Elie Wiesel in Bukarest. Er promovierte in Geschichte an der Universität Bukarest, war Fellow am United States Holocaust Memorial Museum, hat zahlreiche ZeitzeugInneninterviews mit Roma und jüdischen Überlebenden geführt und rund zwanzig Aufsätze zur Geschichte der Roma geschrieben. Gemeinsam mit Vintilă Mihăilescu hat er Condiția romă. Schimbarea discursului [Conditio Roma. Wandel im Diskurs] (Iași 2014) und Roma. Der Diskurswandel (Wien 2020) herausgegeben. Seine Forschungsschwerpunkte sind Geschichte der Roma, Holocaust, Entschädigung und Erinnerung.

 

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Anna Menyhért

Research Fellow (9/2020 - 5/2021)

 

Trauma im digitalen Zeitalter

 

Web MenyhertDas Projekt untersucht, wie digitale Plattformen die Übertragung, Repräsentation und Verarbeitung von Traumata verändern. Dabei wird das in Entstehung begriffene interdisziplinäre Feld der digitalen Traumastudien vorgestellt. Wie werden traumatische Inhalte an die NutzerInnen digitaler Medien vermittelt? Wie können soziale Medien und Online-Gruppen, die sich bei ihrer Selbstpräsentation und Diskussion auf aktuelle und historische Traumata (wie etwa den Holocaust) beziehen, Blogs von MigrantInnen und Tweet-Ketten wie etwa die #MeToo-Bewegung zu Foren der Verarbeitung von Trauma werden?

 

Arbeitsziel ist ein Buch, das anhand von Fallstudien die Besonderheiten digitaler Medien und deren jeweilige Eigenschaften auf die Form traumabezogener Kommunikation untersucht. Zu diesen Fallstudien gehören die Facebook-Gruppe The Holocaust and My Family, ungarische MigrantInnen-Blogs, die sich mit Migrationstraumata und ihren politischen Hintergründen auseinandersetzen, gegenwärtige Kontroversen um die kulturellen und politischen Implikationen des Vertrags von Trianon auf YouTube sowie die Resilienz traumatisierter Opfer am Beispiel der #MeToo Kampagne auf Twitter.

 

Anna Menyhért ist Professorin für Traumastudien an der Universität für Jüdische Studien in Budapest. Von 2016 bis 2018 war sie Marie Sklodowska-Curie-Research Fellow an der Universität Amsterdam, davor Leiterin der Trauma and Gender in Literature and Culture-Research Group an der Eötvös Loránd Universität in Budapest. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Traumastudien, soziale Medien, Memory Studies, Kritische Theorie und Frauenliteratur.

 

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Messan Tossa

Research Fellow (3/2021 - 7/2021)

 

Artefakte der Holocaustliteratur im afrikanischen Kontext

 

Web TossaDie zunehmende Verflechtung von Welten aufgrund der Überwindung realer Distanzen geht Hand in Hand mit der Übersetzung lokaler Eigenheiten in globale Repräsentationsmuster. Aufgrund dieser virtuellen Distanzlosigkeit werden Narrative des Zentrums auch zu globalen Paradigmen, die in der Folge Geltung für die Erklärung künftiger Erscheinungsformen analoger Realitäten entfalten.

 

Diese Feststellung trifft für das Thema Holocaust ebenso zu. Im Forschungsvorhaben werden dessen literarische Darstellungsmodi auch für die Dokumentation des Völkermordes in Ruanda herangezogen. Dieser Parallelismus ist so prägend, dass Robert Stockhammer in seinem Buch zum Völkermord in Ruanda vom „anderen Genozid“ spricht, womit er unmissverständlich auf den Holocaust Bezug nimmt. Das Vorhaben hegt aber vor allem die Absicht, diese Vereinnahmung poetischer, ästhetischer, und formaler Indizien der Holocaustliteratur in die Fiktionalisierung des Völkermordes in Ruanda kritisch zu hinterfragen und so die Eigenheiten herauszufiltern.

 

Messan Tossa ist Mitarbeiter im Staatsarchiv Togos und Honorardozent in der Germanistikabteilung der Université de Lomé, ehemaliger Fellow deutscher Förderungseinrichtungen wie etwa des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, der Alexander von Humboldt Stiftung und der Staatsbibliothek zu Berlin. Im Jahr 2014 promovierte er am Institut für Germanistik der Université de Lomé. Neben vielen Artikeln publizierte er 2018 das Buch Friedensdiskurse in der neueren deutschsprachigen Literatur.

 

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Rasa Baločkaitė

Research Fellow (10/2019–03/2020)

 

Zum Umgang mit dem Schock der Nachkommen von Holocausttätern in Litauen

 

BALOCKAITEWährend in Litauen der Holocaust in der Regel als eine Frage von historischen Details, politischen Konstellationen und öffentlichen Erinnerungsveranstaltungen verstanden wird, zielt dieses Vorhaben viel eher auf psychologische Fragestellungen ab: Im Brennpunkt steht dabei die Frage, wie Nachkommen von Holocausttätern mit der Vergangenheit ihrer Eltern bzw. Großeltern umgehen. Inspiriert wurde die Forschung von deutscher Literatur zu Kindern von Nationalsozialisten (Jennifer Teege, Niklas Frank), weiters von der Idee Hannah Arendts, dass das Böse beide Seiten, Täter und Opfer gleichermaßen betrifft, und dass die Folgen von Traumata von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Forschung fußt zudem auf Rūta Vanagaites Musiskiai (Die Unsrigen) und Arkadijus Vinokuras’ Mes nežudėme (Wir haben nicht gemordet), die beide Gespräche mit Nachkommen von Holocausttätern enthalten. Das Projekt wird die emotionalen und psychologischen Strategien zur Aufarbeitung des Schocks über das Wissen der Handlungen der eigenen Vorfahren ergründen – wie etwa aktives Vergessen, Wut, Verleugnung oder Rationalisierung, das sprachliche oder narrative Framing dieses Schocks und den Zusammenhang zwischen den persönlichen und kollektiven bzw. öffentlichen Erzählungen.

 

Rasa Baločkaitė ist außerordentliche Professorin für Soziologie an der Vytautas Magnus Universität in Litauen. Sie war 2011 Fulbright-Stipendiatin an der Universität Berkeley und 2013 Visiting Fellow am Zentrum für Zeitgeschichte in Potsdam. Ihre Forschungen zu sowjetischen und postsowjetischen Gesellschaften wurden in führenden Fachzeitschriften wie Problems of Post Communism, Language Policy, European History Quarterly etc. veröffentlicht. Sie schreibt regelmäßig über posttraumatische Erfahrungen für litauische Medien.

 

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Roland Clark

Research Fellow (10/2019-01/2020)

 

Schulen des Hasses. Antisemitische Studentenorganisationen im Österreich der 1920er-Jahre

 

CLARKDas Vorhaben untersucht die Welle antisemitischer Unruhen, die Anfang der 1920er-Jahre an Universitäten in elf verschiedenen europäischen Ländern ausbrach. Zwischen 1919 und 1923 kämpften Antisemiten gewaltsam um eine studentische Kontrollmöglichkeit der Universitäten, griffen Juden an und unterstützten rechtsextreme Parteien. Verortet werden diese Unruhen im Rahmen des Strukturwandels an den europäischen Universitäten nach dem Ersten Weltkrieg. Weiters wird analysiert, wie die relativ plötzliche Verstaatlichung und Demokratisierung der Universitäten die alltäglichen Lehr- und Lernpraktiken ethnisierte und politisierte. Als Orte kultureller Reproduktion wurden die Universitäten zu heftig umstrittenen Orten, an denen junge Menschen versuchten, Politikern und anderen Eliten ihre Ziele aufzuzwingen.

 

Dabei werden die einzelnen Bewegungen als lokaler Ausdruck eines transnationalen Protestzyklus gesehen. Die Fokussierung auf Missstände, Ausdrucksformen, politische Allianzen, Möglichkeiten und transnationale Austauschprozesse erlaubt es, den gesamten Protestverlauf kohärent zu rekonstruieren, ohne dabei die Bedeutung lokaler Kontexte aus den Augen zu verlieren.

 

Roland Clark ist Dozent für Geschichte an der Universität von Liverpool. Seine Forschung und Lehre konzentriert sich auf die Kulturgeschichte des modernen Ostmitteleuropas, einschließlich Faschismus, sozialer Bewegungen, Gewalt, Gender, Theologie sowie gelebter Religion. Sein erstes Buch – Holy Legionary Youth: Fascist Activism in Interwar Romania (Cornell UP, 2015) – thematisiert den rumänischen Faschismus und fragt, was diese Form des Aktivismus für junge rumänische Männer und Frauen bedeutete.

 

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György Majtényi

Research Fellow (10/2019–02/2020)

 

Transnationale Erinnerung an den Roma-Holocaust/Porrajmos

 

MAJTENYIDie Geschichte der Roma kann einerseits im nationalstaatlichen Kontext, andererseits im Zusammenhang mit einer einheitlichen Geschichte aller Roma dargestellt werden. Letzterer Ansatz könnte auch als ein transnationales Narrativ bezeichnet werden. Tatsächlich wurden in letzter Zeit mehrere Werke veröffentlicht, die die Geschichte der Roma so beschreiben und mit der nationalstaatlichen Betrachtungsweise brechen. Ebenso wichtig für die Herstellung einer gemeinsamen Geschichte, für die Stärkung der nationalen/ethischen Identität sind aber auch Auseinandersetzungen oder die Aufarbeitung kollektiver Traumata. Die Studie untersucht die Stadien und Akteure des Prozesses, durch den der Porrajmos zu einem Lieu de Mémoire innerhalb der in verschiedenen Nationalstaaten lebenden Roma-Minderheiten wurde. In einem nächsten Schritt wird untersucht, wie diese Orte im weiteren bei der Entstehung einer gemeinsame Erzählung der Roma-Geschichte und der nationalen Identitätsbildung eine Rolle spielten.

 

György Majtényi ist Sozialhistoriker, lehrt an der Károly Eszterházy Universität in Eger. Bis 2011 war er Abteilungsleiter des Ungarischen Nationalarchivs. Seine Forschungsinteressen sind Sozialgeschichte der Roma, Mittelosteuropa im 20. Jahrhundert sowie die Geschichte der Geschichtsschreibung.

 

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