Bibliothek

Newsletter

PDF Abonieren

YouTube-Kanal

Wiedereröffnung am 8. Februar

 

Ab 8. Februar 2021 können Archiv und Bibliothek nach Voranmeldung (telefonisch oder per E-Mail) wieder benutzt werden. Ein Besuch im Museum ist für maximal zwei Personen gleichzeitig wieder möglich. In allen Fällen gilt ein verpflichtendes Tragen einer FFP2-Maske und das Einhalten des Mindestabstands von zwei Metern.

Telefonisch ist das Institut Montag bis Freitag von 10-16 Uhr erreichbar: +43-1-890-15-14

Aktuelle Veranstaltungen und Calls

09. März 2021 08:00 - 15. März 2021 23:59
FellowshipsConny Kristel Fellowship Programme 2021
By facilitating international access to an unprecedented range of key archives and collections related to the Holocaust as well as archival and digital humanities expertise, the EHRI Conny Kristel Fellowships support and stimulate Holocaust research conducted by researchers, archivist...Weiterlesen...
09. März 2021 12:00 - 15. März 2021 23:59
ChancenDigital Heritage Management Specialist
(English version below) Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) schreibt zum ehest möglichen Zeitpunkt eine Stelle als “Digital Heritage Management Specialist” aus   Arbeitsbeschreibung Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) schreibt ei...Weiterlesen...
24. März 2021 15:00
VWI invites/goes to...Anna Menyhért: Trauma in the Digital Age. The Representation, Transmission, and Processing of Trauma on Social Media
VWI goes to the Academy of Fine Arts Since the 2000s, social media networks have introduced major changes in the way people are regularly exposed to content related to the traumatic experiences of others (wars, catastrophes, individual disasters, violence, and rape). Social media pro...Weiterlesen...
25. März 2021 12:00
VWI invites/goes to...Maayan Armelin: Leadership Styles And Social Relations in the SS-Einsatzgruppen
VWI goes to the University of Vienna Mass executions across the Nazi-occupied Soviet Union marked the first stage of systematic annihilation during the Holocaust. The SS-Einsatzgruppen, mobile paramilitary units, murdered over a million and a half civilians, shooting them on the marg...Weiterlesen...

Senior Fellowships 2021/2022 des Wiesenthal Institutes für Holocaust-Studien (VWI)

 

Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) gibt die Ausschreibung seiner Senior Fellowships für das Studienjahr 2021/2022 bekannt.

 

Das VWI ist eine noch zu Lebzeiten von Simon Wiesenthal initiierte und konzipierte, vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, dem Bundeskanzleramt sowie von der Stadt Wien geförderte wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation von Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus und Holocaust. Schwerpunkt der Forschungsarbeit ist der Holocaust in seinem europäischen Zusammenhang, einschließlich seiner Vor- und seiner Nachgeschichte. Zudem ermuntern wir ForscherInnen aus dem Feld der Digital Humanities mit holocaustrelevanten Themen zur Bewerbung.

 

Als Senior Fellow können sich herausragend qualifizierte, promovierte Forscher und Forscherinnen bewerben, die sowohl wissenschaftliche Publikationen vorgelegt haben als auch in universitärem oder wissenschaftlich-institutionellem Bereich über langjährige Erfahrungen verfügen. Sie erhalten am Institut die Möglichkeit, frei einem selbst gewählten Forschungsvorhaben im Bereich der Holocaust-Forschung nachzugehen. Ziel des Aufenthaltes am VWI ist über die Forschungstätigkeit hinausgehend die Kommunikation und wissenschaftliche Interaktion mit den anderen Fellows am Institut. Es wird erwartet, dass Senior Fellows die wissenschaftliche Arbeit des Instituts fördern und die Junior Fellows bei ihren Forschungsvorhaben beratend unterstützen. Darüber hinaus ist die Einbindung der Senior Fellows in das Wiener Forschungsumfeld, z. B. durch Gastseminare und vorträge an akademischen Einrichtungen erwünscht. Die Senior Fellows sind verpflichtet, regelmäßig am VWI anwesend zu sein.

 

Projekte der Senior Fellows behandeln die Forschungsthematik des VWI; Fragestellung, Verfahren und Methoden stehen frei. Die Bestände des institutseigenen Archivs stehen ihnen zur Verfügung. Ihre Einbeziehung in die Forschungsarbeit ist erwünscht. Ergebnisse werden im Kreis der Fellows diskutiert und in regelmäßigen Abständen einem größeren Publikum präsentiert. Am Ende des Aufenthalts ist ein Artikel vorzulegen, der begutachtet und im E-Journal des VWI, S:I.M.O.N. – Shoah: Intervention. Methods. Documentation. veröffentlicht wird.

 

Die Dauer der Senior Fellowships beträgt mindestens sechs, maximal elf Monate. Erfahrungsgemäß sind Aufenthalte zwischen neun und elf Monaten für die wissenschaftliche Arbeit der Fellows am ergiebigsten. Senior Fellows erhalten am VWI einen Arbeitsplatz mit EDV- und Internet-Zugang. Die Höhe des Stipendiums beträgt € 2.500.- monatlich. Zusätzlich trägt das VWI die Unterkunftskosten während des Aufenthalts (bis € 700.-) sowie die Kosten der An- und Abreise (Economy bzw. Bahnfahrt 2. Klasse). Für Recherchen außerhalb Wiens oder eventuell anfallende Kopierkosten außer Haus steht ein einmaliges Budget in der Höhe von weiteren € 500.- zur Verfügung.

 

Die Auswahl erfolgt durch den Internationalen Wissenschaftlichen Beirat des VWI.

 

Eine Bewerbung ist mit folgenden Unterlagen in Deutsch oder Englisch möglich:

 

  • einem ausgefüllten Antragsformular,
  • einer ausführlichen Beschreibung des Forschungsvorhabens, die die Ziele des Projekts enthält, den Forschungsstand und methodische Überlegungen (maximal 12.000 Anschläge)
  • einer Publikationsliste und einem Lebenslauf mit Foto (fakultativ).

 

Die Anträge sind bis 27. Jänner 2021 in elektronischer Form (in einem PDF-Dokument zusammengefasst) mit dem Betreff „VWI-Research Fellowships 2021/2022“ an

 

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

zu richten.

 

Sollten Sie keine Bestätigung über den Erhalt Ihres Antrages erhalten, ersuchen wir Sie, uns zu kontaktieren.

 

Die zukünftigen Senior Fellows werden angehalten, zu versuchen, einen Teil ihrer Fellowships über ein Stipendium der Stipendienstiftung der Republik Österreich zu finanzieren, und nach der Benachrichtigung über die Zuerkennung des Fellowships einen diesbezüglichen Antrag zu stellen.

Judith Szapor

Senior Fellow (01/2018–05/2018)

 

Gender, Rasse und jüdische Familie in Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg. Frauen und der Numerus Clausus 1919–1928

 

SZAPORIm September 1920 verabschiedet, beschränkte das ungarische Numerus-Clausus-Gesetz den Zugang von Jüdinnen und Juden zu den Universitäten auf sechs Prozent aller Studierenden, den prozentualen Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung des Landes. Jüdische Frauen waren von diesem Gesetz überproportional betroffen, einerseits wegen des nun de facto bis 1923 gültigen Immatrikulationsverbots für Frauen, andererseits wegen des hohen Anteils von jüdischen Studentinnen an den Universitäten Ungarns vor dem Ersten Weltkrieg. Die juristische und politische Geschichte des Gesetzes, das – indem es das Prinzip der staatsbürgerlichen Gleichheit untergrub – den Boden für den Holocaust bereitete, ist inzwischen weitestgehend bekannt. Untersuchungen zu den sogenannten Numerus-Clausus-Flüchtlingen, zu jenen Studierenden, die Ungarn verließen, um in Österreich, Deutschland, der Tschechoslowakei oder anderswo zu studieren, liegen ebenfalls schon vor.

 

Allein Arbeiten über die spezifischen Erfahrungen von Frauen oder gar über die genaue Zahl derer, die von diesem Gesetz betroffen waren, gibt es bis heute nicht. Das Projekt wird daher archivalische und mündlich überlieferte historische Quellen heranziehen, um die sozialen und geschlechtsspezifischen historischen Aspekte dieses Phänomens näher zu beleuchten. Auch die durch dieses Phänomen bedingten individuellen und familiären Strategien sowie die Auswirkungen auf Lebensentscheidungen, wie Verehelichung oder Emigration, werden erörtert.

 

Judith Szapor ist Assistant Professor für moderne europäische Geschichte an der McGill University, Montreal. Zu ihren Veröffentlichungen gehören u.a. Jewish Intellectual Women in Central Europe 1860-2000. Twelve Biographical Essays, Lewiston, N.Y. u.a. 2012 (gemeinsam mit Andrea Pető, Maura Hametz, and Marina Calloni) sowie die vor der Drucklegung stehende Monografie Hungarian Women’s Activism in the Wake of the First World War. From Rights to Revanche.

Daniel Cohen

Senior Fellow (09/2018–12/2018)

 

‚Philosemitismus’ in Europa nach dem Holocaust. 1945 bis heute

 

COHENMit 1945 und unmittelbar nach dem Holocaust tauchten in Westeuropa und – nach ihrer Gründung – in der EU verschiedenste Formen eines theologischen, politischen und kulturellen ‚Philosemitismus’ in den entscheidenden öffentlichen Diskursen auf. Cohens in Arbeit befindliches Buch wird eine kritische Geschichte dieser tragenden ‚philosemitischen’ Tropen sein, in denen Jüdinnen und Juden, das Judentum und jüdische Identität im Gefolge der Katastrophe positiv imaginiert wurden: Humanismus und Antifaschismus in den späten 1940er-Jahren, Philo-Zionismus in den 1950er-Jahren, die große Rebellion der sechziger Jahre, Trauma und Bürgerrechtsbewegung in den Siebzigern, die Wiederentdeckung ‚Mitteleuropas’ in den 1980er-Jahren, die Wiederauferstehung des toten, nun ‚kosmopolitischen’ Juden in der Imagination der Europäischen Union und schließlich – noch verstörender – der zurzeit laufende Einsatz des ‚Philosemitismus’ im Namen eines angeblich bedrohten jüdisch-christlichen Europas.

 

G. Daniel Cohen ist Associate Professor für Geschichte und Jüdische Studien an der Rice University in Houston, Texas. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Geschichte von Flucht und Zwangsumsiedlung im Europa des zwanzigsten Jahrhunderts. Zurzeit arbeitet er an einer kritischen Geschichte des ‘Philosemitismus’ in Westeuropa seit 1945 bzw. seit der Gründung der EU.

Gerald J. Steinacher

Senior Fellow (1/2021–6/2021) 

 

Vergeben und vergessen? Der Vatikan und die Nürnberger Prozesse 1945–1955

 

Web SteinacherPapst Pius XII., seine engsten Berater sowie zahlreiche Kardinäle und Bischöfe standen den Nürnberger Prozessen sowie dem gesamten Entnazifizierungsprojekt in Deutschland äußerst kritisch gegenüber. Man hinterfragte die Bemühungen der Alliierten – nicht zuletzt jene der US-AmerikanerInnen – NS-TäterInnen den Prozess zu machen. Die Interventionen des Vatikans liefen schließlich auf Forderungen nach einer allgemeinen Amnestie hinaus.

 

Das Forschungsprojekt untersucht grundsätzliche Fragen zu Schuld und Verantwortung, die einen Vergleich unterschiedlicher und konkurrierender Modelle von transitional justice gestatten. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wieso kritisierte die Führung der katholischen Kirche die Verurteilung von KriegsverbrecherInnen durch die Strafjustiz so vehement? Welche möglichen Alternativen boten der Vatikan und insbesondere der Papst, um mit Schuld und Verantwortung umzugehen? Gab es auch dort Konzepte für eine transitional justice?

 

In der unmittelbaren Nachkriegszeit betrachteten viele Menschen Papst Pius XII. als herausragende moralische Instanz. Österreich und Italien sowie ein Großteil von Deutschland waren überwiegend katholisch. Aber auch in anderen Teilen des südlichen und westlichen Europas übte die katholische Kirche großen Einfluss auf die Öffentlichkeit aus. Die Haltung der katholischen Kirche gegenüber einer ‚gerechten’ Strafe für Verbrechen der ehemaligen faschistischen Regime ist ein besonderer Aspekt für das Verständnis dieser Gesellschaften und der moralischen Grundhaltung in dieser Zeit.

 

Gerald J. Steinacher ist James A. Rawley Professor für Geschichte an der University of Nebraska-Lincoln und wird im Zeitraum von Jänner bis Juni 2021 als Senior Fellow am VWI tätig sein. Er hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, Österreich und Italien vorgelegt, zuletzt Humanitarians at War. The Red Cross in the Shadow of the Holocaust (Oxford 2017), und Nazis on the Run. How Hitler’s Henchmen Fled Justice (Oxford 2011).

 

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Corry Guttstadt

Senior Fellow (02/2021–07/2021)

 

Islamisch motivierter Antisemitismus in und aus der Türkei – Themen, Argumentationsmuster und Verbreitung

 

GUTTSTADTIslamischer Antisemitismus ist eines der in der europäischen Öffentlichkeit am meisten diskutierten Themen. Allerdings ist die Debatte häufig politisch motiviert und stark ideologisiert: Während die eine Seite ‚den Muslimen’ generell antisemitische Einstellungen und Motive unterstellt, beschwört die Gegenseite gern die ‚islamische Toleranz’ und die sichere Existenz, die Juden etwa im Osmanischen Reich deshalb über Jahrhunderte genossen hätten. Bislang fehlt allerdings eine fundierte wissenschaftliche Untersuchung über Herkunft, Häufigkeit und Muster antisemitischer Äußerungen islamisch-religiöser Institutionen in der Türkei.

 

Im Forschungsvorhaben werden die Argumentationsmuster des türkischen Präsidiums für Religionsangelegenheiten (Diyanet İşleri Başkanlığı) sowie die führender islamisch-theologischer Fakultäten gegenüber Juden untersucht. Das Diyanet ist die dem türkischen Staatspräsidenten direkt unterstellte Institution zur Verwaltung religiöser Einrichtungen, die durch die Erstellung von Freitagspredigten, Rechtsgutachten und eigenen Publikationen die Interpretation des Islam in der Türkei und in den ihr unterstellten Moscheen im Ausland wesentlich prägt.

 

In einem ersten Schritt werden die Stellungnahmen des Diyanet İşleri Başkanlığı und die Publikationen islamisch-theologischer Fakultäten zum Thema „Juden“ in quantitativer Hinsicht mit dem Fokus auf negative Darstellungen ausgewertet. In einem zweiten Schritt werden die Resultate qualitativ hinsichtlich verwendeter Topoi analysiert. Dabei wird insbesondere untersucht, welche Rolle explizit islamisch-religiöse Motive spielen. Schließlich soll die Rezeption antisemitischer Stellungnahmen in türkischen Medien und dem Diyanet unterstellten Institutionen untersucht werden.

 

Corry Guttstadt ist Turkologin und Historikerin, sie promovierte an der Universität Hamburg. Ihre Dissertation „Die Türkei, die Juden und der Holocaust“ ist ein international anerkanntes Standardwerk. Schwerpunkte ihrer Forschung sind die Lage der Minderheiten in der Türkei, Antisemitismus und die Geschichte der sephardischen Juden. Zahlreich sind ihre Publikationen zur Politik der neutralen Staaten während des Holocaust, zur Situation der sephardischen Juden, Minderheiten in der Türkei und Antisemitismus verfasst. Sie ist Geschäftsführerin des Türkei-Europa-Zentrums (TEZ) an der Universität Hamburg.

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Lisa Silverman

Senior Fellow (10/2019–03/2020)

 

Der Nachkriegsantisemit. Kultur und Mittäterschaft in Österreich und Deutschland 1945–1965

 

SILVERMANUntersucht wird die Entwicklung der Darstellungen des Antisemiten in Texten, Gerichtsverhandlungen und visueller Kultur nach 1945. Diese Figur wurde zu einer unverzichtbaren Trope der Nachkriegskultur, die es Österreichern und Deutschen ermöglichte, jegliche Komplizenschaft am Holocaust zu leugnen, sich in einer radikal veränderten politischen und kulturellen Landschaft zu orientieren und ihr – im Nachkrieg auf den Kopf gestelltes – Leben neu aufzustellen. Als eine einfach erkennbare und leicht adaptierbare Figur des Bösen, ersetzte der Antisemit häufig den figurativen Juden, den ultimativen Anderen der europäischen Vorkriegskultur. Dennoch signalisierte diese Ersetzung weder den Wunsch, Juden in die Nachkriegsgesellschaft zu integrieren noch eine Entkräftung der weitverbreiteten und systemischen antisemitischen Vorurteile. Vielmehr im Gegensatz, hob diese Ersetzung nur noch mehr hervor, wie nach dem Holocaust geschaffene Narrative weiter auf tief verwurzelte Tropen von ‚Jewish Difference‘ aufbauten – selbst wenn sie den Antisemitismus explizit ablehnten. Die schädlichen Auswirkungen dieses figurativen Antisemitismus breiteten sich weit über Europa hinaus und dauern bis heute an.

 

Lisa Silverman ist außerordentliche Professorin für Geschichte und Jüdische Studien an der Universität von Wisconsin-Milwaukee. Sie erforscht die jüdische Kulturgeschichte und den Antisemitismus im modernen Mitteleuropa.

 

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Beate Kutschke

Senior Fellow (10/2018–03/2019)

 

Musik und Heroismus im Kontext der Aufarbeitung des Holocaust in Österreich

 

KUTSCHKEDie Heroisierung der jüdischen und nichtjüdischen Helfer und Retter sowie der überlebenden und toten Opfer der Verfolgung war ein wichtiges Element in der Bewältigung der NS-Vergangenheit nach 1945. Weltweit wurden und werden noch heute Helfer und Opfer im Holocaust als Helden gepriesen; sei es für ihren Widerstand gegen den Genozid, sei es für ihre hohe Moral im stillen Erdulden ihres Schicksals. Während Historiker, Soziologen und Psychologen auf die Bedeutung dieser Heroisierungen für die Formung moralischer Identitäten und politischer Ideologien während des Kalten Kriegs und auch danach hingewiesen haben, wurde der Rolle, die Musik bei der Heroisierung im Kontext der Aufarbeitung des Holocaust spielt, bisher keine Beachtung geschenkt. Anhand von Kompositionen, die in Bezug zum KZ Mauthausen seit den 1960er Jahren verfasst wurden – deren Musik, Libretti und Kommentare sowie die konkreten Kontexte ihrer Aufführungen –, sollen die sich ändernden Haltungen und Umgangsweisen mit dem Holocaust in Österreich beleuchtet werden, einem Land, das vergleichsweise spät begann, sich mit seiner Verstrickung in NS-Verbrechen intensiver auseinanderzusetzen.

 

Beate Kutschke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Salzburg. Sie untersucht Musikgeschichte mit einer kulturwissenschaftlichen Herangehensweise. Zusätzlich zu ihren anderen Forschungsfeldern wie ‚Musik und Protest’ oder ‚computergestützte Musikanalyse’ hat sie mehrere Veröffentlichungen zu ‚Holocaust Musik’ und ‚Musik und Heroismus’ vorgelegt. Die Ergebnisse der Forschungen am VWI werden in eine Monographie einfließen.

Jacqueline Vansant

Senior Fellow (11/2017–05/2018)

 

Der außergewöhnliche Briefwechsel jüdisch-österreichischer Schulkameraden 1938–1953

 

VANSANTNach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1938 stand eine Gruppe von 15- und 16-jährigen Wiener jüdischen Burschen auf einer Brücke und nahm Abschied – ‚für immer‘: Sie wussten nicht, was aus ihnen werden würde oder wohin sie das Schicksal verschlagen würde. Dennoch versprachen sie einander, dass sie alles daran setzen würden, um weiter in Kontakt zu bleiben. Dieses Versprechen führte zu einer Gruppenkorrespondenz – einem Rundbrief, wie sie es nannten –, welche sich über mehr als ein Jahrzehnt und über drei Kontinente erstrecken sollte. Dieser Bestand aus 106 Rundbriefen und 675 Einzelbriefe befindet sich seit 1994 im Grazer Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich.

 

Veröffentlichte Briefe zwischen Freunden dieses Alters, die ‚Anschluß‘, Exil und Anpassung an eine neue Umgebung als Jugendliche und junge Erwachsene erleben mussten, sind selten. Die geplante Edition dieses Briefwechsels wird Gelegenheit bieten, die Erfahrungen und Gedanken dieser Altersgruppe, die Herausforderungen, denen diese jungen Menschen gegenüberstanden, ihre Adoleszenz besser zu verstehen. Die – an sich schon bemerkenswerte – zeitliche Dauer des Schriftverkehrs ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, in welchem Ausmaß die verschiedenen Erfahrungen und Milieus die Burschen bzw. jungen Männer und deren Identitäten prägten.

 

Die Veröffentlichung der Briefe wird einen wichtigen Beitrag für Exil-, Holocaust- und Migrationsstudien leisten und zeigen, wie die Aufrechterhaltung des Kontakts innerhalb einer Peergroup mit gemeinsamem kulturellen Hintergrund half, das Trauma des Exils bzw. des Übergangs vom Exil in die Emigration zu überwinden.

 

Jacqueline Vansant ist Professorin für Germanistik an der University of Michigan-Dearborn. Sie hat verschiedene Publikationen zur österreichischen Literatur und Kultur nach 1945 und zum Exil vorgelegt, u.a: Against the Horizon: Feminism and Postwar Austrian Women Writers, Westport 1988, and Reclaiming ‚Heimat‘: Trauma and Mourning in Memoirs by Jewish Austrian Réemigrés, Detroit 2001. Ihre jüngste Publikation zum Thema Exil ist: Cohesive Epistolary Networks in Exile, in: Helga Schreckenberger (Ed.), Networks of Refugees from Nazi Germany: Continuities, Reorientations, and Collaborations in Exile, Amsterdam 2016, 247–261.

Fredrik Lindström  

Senior Fellow (02/2018–06/2018)

 

Geschichte und Erinnerung im österreichischen Nachkrieg 1960–1988

 

LINDSTROMDas dem Forschungsaufenthalt zugrundeliegende, übergreifende Projekt befasst sich mit der „institutionellen Landschaft“ (Tony Judt) der Geschichtsschreibung und Erinnerungsarbeit in der Kernperiode des österreichischen Nachkriegs 1960 bis 1988. Als methodische Grundlage dient Paul Ricœurs Auseinandersetzung mit der Wechselbeziehung zwischen Geschichte als Disziplin und dem neuen Forschungsfeld der Gedächtnisstudien, ausgehend von ihrem gemeinsamen Ursprung im Zeugnis bzw. in der Repräsentation der Vergangenheit in historischen Narrativen und im öffentlichen Gedenken. Das Projekt konzentriert sich dabei auf die Frage der Ausformung des Umgangs unterschiedlicher Institutionen, wie etwa historischer Kommissionen, Forschungsinstitute und Dokumentationsarchive, mit der Vergangenheit.

 

Im Mittelpunkt der im Frühjahr 2018 in Wien durchzuführenden Teilforschung steht das Dokumentationszenturm des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes, das von Simon Wiesenthal von 1961 bis 2005 geleitet wurde.

 

Fredrik Lindström studierte Geschichte an der Universität Lund und verbrachte ein Post-Doc-Studienjahr am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Zurzeit ist er Senior Lecturer of European Studies an der Universität Malmö, wo er auch über mehrere Jahre das Doktorandenprogramm geleitet hatte.

Natan Sznaider
Senior Fellow (06/2017–08/2017)

 

Kontinuität und neue Perspektiven. Hannah Arendt und die Soziologie des Antisemitismus

 

SZNAIDERHannah Arendt hat sich nicht als Soziologin einen Namen gemacht. Ganz im Gegenteil. Sie teilte die Vorurteile viele ihrer Zeitgenossinnen und -genossen der Weimarer Republik gegen die Sozialwissenschaften und gegen die Soziologie im Besonderen. Allein ein 40.000 Worte umfassendes – erst 2007 im Sammelband The Jewish Writings veröffentlichtes – Manuskript über den Antisemitismus gehört wohl zu ihren am ehesten als ‚soziologisch‘ in engerem Sinn zu bezeichnenden Schriften und unterscheidet sich grundlegend von den später von ihr veröffentlichten und besser bekannten Studien zum Thema. Die in ihrer deutschen Originalfassung bis heute nicht publizierte Arbeit entstand in Hannah Arendts Exil in Frankreich Ende der 1930er-Jahre. Der Essay beginnt mit einer historischen Analyse jüdischen Lebens in Europa und beinhaltet eine Kritik sowohl der Assimilation als auch des Zionismus. Arendt stellt dabei das Aufkommen des modernen Antisemitismus im Zusammenhang mit dem Klassenkampf zwischen der deutschen Aristokratie und dem Bürgertum, den sie mit dem aufkommenden Nationalstaat kontextualisiert. Mit der Herstellung solcher historischer Zusammenhänge weist sie auch jegliche Essentialisierung des Antisemitismus zurück.

 

Auf einer allgemeineren Ebene kann argumentiert werden, dass die konservativen Kräfte befürchteten, dass die traditionellen Oberschichten, die gewissermaßen den Schlussstein des sozialen Gefüges bildeten, von Außenseitern durchsetzt werden, deren einziges Unterscheidungsmerkmal der Geldbesitz war. Unfähig die gesellschaftlichen Regeln von Achtung und Respekt, die den gesellschaftlichen Kitt bildeten, zu verstehen, würden diese ‚Neuankömmlinge‘ die Gesellschaft untergraben und letztlich zerstören. Diese Denkungsart und dieses Streben nach einer Vergangenheit, als persönliche Beziehungen für Authentizität gesorgt haben sollen, brandmarkt das Streben nach Geld letztlich als etwas Unauthentisches, Fremdes. Wenn die Gesellschaft als eine Einrichtung gedacht wird, die über persönliche Beziehungen zusammengehalten wird, dann kann Geld eben nur die Rolle des Agenten der Entpersonalisierung, des Agenten der Entmenschlichung zugewiesen werden. Aber trotz dieses scheinbaren Paradox‘ war es dennoch ein Leichtes, diesen vermeintlichen Agenten eben in der Person des Juden festzumachen: Die Identifikation von Juden und Geld – worüber sich ja Karl Marx in seinem Essay Zur Judenfrage den Kopf zerbrach – ist allzu bekannt.

 

Ausgehend von Arendts Theorie des Antisemitismus kann damit aber ein größerer Bezugsrahmen zwischen Modernität und Antisemitismus hergestellt werden.

 

Natan Sznaider wurde als Kind polnischer, nach dem Zweiten Weltkrieg staatenloser Shoah-Überlebender in Deutschland geboren. Als Erwachsener übersiedelte er nach Israel. Er ist Professor für Soziologie am Academic College in Tel Aviv-Yaffo. 2016 lehrte er an der Ludwig-Maximilian Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte sind Fragen des kulturellen Gedächtnisses in Europa, Israel und Lateinamerika.

 

Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen: Memory and Forgetting in the Post-Holocaust Era. The Ethics of Never Again (gemeinsam mit Alejandro Baer), London 2017; Herzl reloaded. Kein Märchen, Frankfurt/Main 2016 (gemeinsam mit Doron Rabinovici); Gedächtnisraum Europa: Die Visionen des europäischen Kosmopolitismus. Eine jüdische Perspektive, Bielefeld 2008; Holocaust and Memory in the Global Age, Philadelphia 2006; und Gesellschaften in Israel – Eine Einführung in zehn Bildern, Frankfurt/Main (in Druckvorbereitung).

Senior Fellowships 2017/2018 des Wiesenthal Institutes für Holocaust-Studien (VWI)

 

Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) gibt die Ausschreibung seiner Senior Fellowships für das Studienjahr 2018/2019 bekannt.


Das VWI ist eine noch zu Lebzeiten von Simon Wiesenthal initiierte und konzipierte, vom österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sowie von der Stadt Wien geförderte wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation von Antisemitismus, Rassismus und Holocaust. Schwerpunkt der Forschungsarbeit ist der Holocaust in seinem europäischen Zusammenhang, einschließlich seiner Vor- und seiner Nachgeschichte.


Als Senior Fellow können sich herausragend qualifizierte, promovierte Forscher und Forscherinnen bewerben, die sowohl wissenschaftliche Publikationen vorgelegt haben als auch in universitärem oder wissenschaftlich-institutionellem Bereich über langjährige Erfahrungen verfügen. Sie erhalten am Institut die Möglichkeit, frei einem selbst gewählten Forschungsvorhaben im Bereich der Holocaust-Forschung nachzugehen. Ziel des Aufenthaltes am VWI ist über die Forschungstätigkeit hinausgehend die Kommunikation und wissenschaftliche Interaktion mit den anderen Fellows am Institut. Es wird erwartet, dass Senior Fellows die wissenschaftliche Arbeit des Instituts fördern und die Junior Fellows bei ihren Forschungsvorhaben beratend unterstützen. Darüber hinaus ist die Einbindung der Senior Fellows in das Wiener Forschungsumfeld, z. B. durch Gastseminare und -vorträge an akademischen Einrichtungen erwünscht. Die Senior Fellows sind verpflichtet, regelmäßig am VWI anwesend zu sein.


Projekte der Senior Fellows behandeln die Forschungsthematik des VWI; Fragestellung, Verfahren und Methoden stehen frei. Die Bestände des institutseigenen Archivs stehen ihnen zur Verfügung. Ihre Einbeziehung in die Forschungsarbeit ist erwünscht. Ergebnisse werden im Kreis der Fellows diskutiert und in regelmäßigen Abständen einem größeren Publikum präsentiert. Am Ende des Aufenthalts ist ein Artikel vorzulegen, der begutachtet und im E-Journal des VWI, S:I.M.O.N. – Shoah: Intervention. Methods. Documentation. veröffentlicht wird.


Die Dauer der Senior Fellowships beträgt mindestens sechs, maximal elf Monate. Die Senior Fellows erhalten am VWI einen Arbeitsplatz mit EDV- und Internet-Zugang. Die Höhe des Stipendiums beträgt € 2.500.- monatlich. Zusätzlich trägt das VWI die Unterkunftskosten während des Aufenthalts (bis € 800.-) sowie die Kosten der An- und Abreise (Economy bzw. Bahnfahrt 2. Klasse). Für Recherchen außerhalb Wiens oder eventuell anfallende Kopierkosten außer Haus steht ein einmaliges Budget in der Höhe von weiteren € 500.- zur Verfügung.


Die Auswahl erfolgt durch den Internationalen Wissenschaftlichen Beirat des VWI.


Eine Bewerbung ist mit folgenden Unterlagen in Deutsch oder Englisch möglich:

 

  • einem ausgefüllten Antragsformular,
  • einer ausführlichen Beschreibung des Forschungsvorhabens, die die Ziele des Projekts enthält, den Forschungsstand und methodische Überlegungen (maximal 12.000 Anschläge)
  • einer Publikationsliste und einem Lebenslauf mit Foto (fakultativ).

 

Die Anträge sind bis 29. Jänner 2017 in elektronischer Form (in einem PDF-Dokument zusammengefasst) mit dem Betreff "VWI-Research Fellowships 2017/2018" an

 

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 


zu richten. Sollten Sie keine Bestätigung über den Erhalt Ihres Antrages erhalten, ersuchen wir Sie, uns zu kontaktieren.


Die zukünftigen Senior Fellows werden angehalten, zu versuchen, einen Teil ihrer Fellowships über ein Stipendium Stipendienstiftung der Republik Österreich zu finanzieren, und nach der Benachrichtigung über die Zuerkennung des Fellowships einen diesbezüglichen Antrag zu stellen.

 

März 2021
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31 1 2 3 4

 

Aktuelle Publikationen

 

Voelkermord zur Prime Time

 

Hartheim

 

Grossmann

 

 

Weitere Publikationen


Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) wird gefördert von:

 

bmbwf 179

 

wienkultur 179

 

  BKA 179