Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Paula
Oppermann
Wechselnde Umstände, beständige Agenda.
Ideologie und Handlungen der lettischen faschistischen Pērkonkrusts-Partei
Forschungsgegenstand ist die faschistische Pērkonkrusts-Partei (Donnerkreuz). Es wird untersucht, wie die Organisation in den 1930er-Jahren ihre ultranationalistische, antisemitische Ideologie entwickelte und mit Angriffen auf Juden zum Zerfall der lettischen Zivilgesellschaft beitrug. Basierend auf diesen Erkenntnissen wird der Rolle des Pērkonkrusts während des Zweiten Weltkriegs nachgegangen. Dessen Mitglieder beteiligten sich auf verschiedenen Ebenen im deutschen Besatzungs- und Vernichtungsapparat.
Nachdem die Deutschen die Partei im August 1941 verboten hatten, nahmen einige Männer zum nationalen Widerstand Verbindung auf, während viele im Dienst der Besatzer blieben. Trotzdem etablierten nach dem Krieg vor allem diejenigen Mitglieder, die nach Nordamerika und Westeuropa ausgewandert waren, das Bild der Pērkonkrusts-Männer als patriotische Widerstandskämpfer. Das vorliegende Projekt hinterfragt ihre Erzählung und deckt Kontinuitäten der politischen Überzeugungen und Aktivitäten von den 1930er-Jahren bis in die Nachkriegszeit auf.
Paula Oppermann studierte Geschichte, Baltistik und Holocaust- und Genozidstudien in Greifswald und Uppsala. Anschließend war sie in der Wiener Library und der Stiftung Topographie des Terrors beschäftigt. Seit 2017 ist sie Doktorandin an der Universität Glasgow und untersucht die Geschichte der lettischen faschistischen Partei Pērkonkrusts (Donnerkreuz). Im Rahmen der Dissertation war sie u.a. Fellow am Institut für Zeitgeschichte München und am Institute for Russian and Eurasian Studies der Universität Uppsala.