Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Jackie
Olson
Die Politik des Todes im Nachkriegsösterreich, 1945–1970
Dieses Projekt untersucht die Bestattungspolitik im Nachkriegsösterreich, insbesondere in dessen östlichen ländlichen Regionen, von 1945 bis 1970. Es untersucht, wie sich lokale Österreicher:innen, jüdische Auswanderer:innen, Regierungsbeamt:innen und religiöse Organisationen wie die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) mit den Gräbern jüdischer Opfer, osteuropäischer Zwangsarbeiter:innen und sowjetischer Kriegsgefangener auseinandersetzten. Es untersucht, wie diese Gruppen sich an der Trauerarbeit beteiligten und wie ihre Beziehungen zu Begräbnisstätten die frühe österreichische Nachkriegsgeschichte, insbesondere unter sowjetischer Besatzung, prägten. Das Projekt konzentriert sich darauf, welche Bedeutung der Tod für verschiedene Generationen, Nationen und Konfessionen in einem unbeständigen Nachkriegseuropa einnahm, und argumentiert, dass Gräber einen einzigartigen Einblick in die persönliche Trauer in einer Zeit der Niederlage und Scham bieten. Es verlagert den Fokus von Regierungen und Geopolitik auf kleine Akteure im ländlichen Raum, zeigt im lokalen Engagement für Begräbnisstätten die menschlichen Dimensionen der unmittelbaren Nachkriegsjahre in Österreich auf und geht der Frage nach, wie Gemeinschaften nach dem Krieg mit Verlust, Erinnerung und Identität umgingen.
Jackie Olson ist Doktorandin am Fachbereich Geschichte der Stanford University. Ihre Forschung befasst sich mit der Nachkriegsgeschichte und den kulturellen Auswirkungen veränderter Bestattungspraktiken in Deutschland und Österreich. Sie hat einen B.A. in Geschichte und Deutsch von der Vanderbilt University und lebte in Wien, wo sie mit einem österreichischen Fulbright-Stipendium Englisch unterrichtete. Sie hat über die Geschichte der Toten im modernen Europa gelehrt und wurde mit renommierten Stipendien ausgezeichnet, darunter das Summer Graduate Research Fellowship am USHMM Mandel Center. Derzeit ist sie Forschungsassistentin für ein Projekt zu räumlichen Erzählungen, das sich mit Holocaust-Zeugnissen befasst und von der National Science Foundation finanziert wird.
jackie.olson@vwi.ac.at