Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

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Dmytro
Mykhailychenko

Fellow aus der Ukraine
05/2024 - 03/2024

Jüdische Ökonom:innen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Charkiw

Im Zentrum dieses Projekts stehen jüdische Wirtschaftswissenschaftler:innen aus Charkiw in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Projekt umfasst zwei Zielsetzungen: Zum einen die Erstellung von Forschungsdatenbanken und einer Reihe von biografischen Studien, zum anderen eine vergleichende Untersuchung der Lebensläufe, der akademischen Laufbahnen und der wissenschaftlichen Methoden im regionalen und globalen Kontext. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten begabte jüdische Jugendliche im Russischen Reich aktiv an der Hochschulbildung teilhaben. Trotz restriktiver Quoten und gewalttätiger chauvinistischer Kampagnen wurden sie zu herausragenden Theoretiker:innen und Forscher:innen, auch in einem wissenschaftlichen und akademischen Zentrum wie Charkiw, der Hauptstadt der sowjetischen Ukraine in den Jahren 1919-1934. Diese rasante Entwicklung wurde jedoch durch die stalinistischen Repressionen und den Holocaust tragisch gebremst. In einer breiteren Perspektive trägt dieses Projekt zur Untersuchung der Integration jüdischer Ökonomen in die Weltelite der Wirtschaftswissenschaften im Untersuchungszeitraum bei.

Dmytro Mykhailychenko promovierte in Geschichte und ist außerordentlicher Professor für politische Ökonomie an der Simon-Kuznets-Universität für Wirtschaft in Charkiw. Seine Forschungsinteressen umfassen die Geschichte der Wirtschaft und des wirtschaftlichen Denkens in der Ukraine. Er ist Autor biografischer Studien über jüdische Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jahrhunderts in Charkiw, insbesondere über den Wirtschaftsnobelpreisträger von 1971, Simon Kuznets, und den Architekten der Wirtschaftsreform von 1965 in der UdSSR, Jewsei Liberman, sowie über Wirtschaftswissenschaften und -erziehung.