Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

Menü

Beate
Kutschke

Senior Fellow
10/2018 - 03/2019

Musik und Heroismus im Kontext der Aufarbeitung des Holocaust in Österreich

Die Heroisierung der jüdischen und nichtjüdischen Helfer und Retter sowie der überlebenden und toten Opfer der Verfolgung war ein wichtiges Element in der Bewältigung der NS-Vergangenheit nach 1945. Weltweit wurden und werden noch heute Helfer und Opfer im Holocaust als Helden gepriesen; sei es für ihren Widerstand gegen den Genozid, sei es für ihre hohe Moral im stillen Erdulden ihres Schicksals. Während Historiker, Soziologen und Psychologen auf die Bedeutung dieser Heroisierungen für die Formung moralischer Identitäten und politischer Ideologien während des Kalten Kriegs und auch danach hingewiesen haben, wurde der Rolle, die Musik bei der Heroisierung im Kontext der Aufarbeitung des Holocaust spielt, bisher keine Beachtung geschenkt. Anhand von Kompositionen, die in Bezug zum KZ Mauthausen seit den 1960er Jahren verfasst wurden – deren Musik, Libretti und Kommentare sowie die konkreten Kontexte ihrer Aufführungen –, sollen die sich ändernden Haltungen und Umgangsweisen mit dem Holocaust in Österreich beleuchtet werden, einem Land, das vergleichsweise spät begann, sich mit seiner Verstrickung in NS-Verbrechen intensiver auseinanderzusetzen.

Beate Kutschke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Salzburg. Sie untersucht Musikgeschichte mit einer kulturwissenschaftlichen Herangehensweise. Zusätzlich zu ihren anderen Forschungsfeldern wie ‚Musik und Protest’ oder ‚computergestützte Musikanalyse’ hat sie mehrere Veröffentlichungen zu ‚Holocaust Musik’ und ‚Musik und Heroismus’ vorgelegt. Die Ergebnisse der Forschungen am VWI werden in eine Monographie einfließen.