Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Gergely
Kunt
„Bilder der Anderen“:
Eine vergleichende Analyse anti-Roma und antisemitischer Narrative im privaten und öffentlichen Diskurs in Ungarn vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg
Das Projekt konzentriert sich auf die Untersuchung verschiedener Diskursebenen, die zur Assoziation negativer sozialer Bilder und Stereotypen von Jüdinnen und Juden sowie Rom:nja in Ungarn führten. Anstatt sich auf den politischen Hintergrund des Völkermords oder die anti-Roma und antisemitischen Gesetze zu fokussieren, soll hier der „soziale und mentale Kontext“ erforscht werden – also die Verbreitung gegen Roma gerichteter und antisemitischer Bilder und die Verinnerlichung negativer Stereotypen durch die Mehrheitsgruppe. Solche Bilder waren eine wichtige Voraussetzung für den Völkermord während des Zweiten Weltkriegs. Dabei wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt: Die Forschung stützt sich in erster Linie auf die Sozialpsychologie und die Sprach- und Diskursanalyse von Zeitungsartikeln und Egodokumenten (vor allem Tagebüchern) aus dem Ungarn der Zwischenkriegszeit, wobei besonderes Augenmerk auf den Sprachgebrauch der Autor:innen gelegt wird. Das Projekt behandelt die Texte als Teil der zeitgenössischen sozialen Realität, die durch Sprache geschaffen wird.
Gergely Kunt, Sozialhistoriker und Assistenzprofessor an der Universität Miskolc (Ungarn). Gründungsmitglied des European Ego-Documents Archive and Collections Network (EDAC). Autor von The Children's Republic of Gaudiopolis: The History and Memory of a Children's Home for Holocaust and War Orphans (2022) und mehrerer Monographien auf Ungarisch. Er war Core Fellow am Institute for Advanced Study der Central European University und Weickert Postdoctoral Fellow am Fritz Bauer Institut der Universität Frankfurt am Main.