Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

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Jens
Kolata

Research Fellow
10/2024 - 03/2025

Patient:innen forensischer Anstalten im nationalsozialistischen Österreich

Das Forschungsprojekt untersucht, ob sich für forensische Anstaltspatient:innen als Opfergruppe im nationalsozialistischen Österreich aufgrund der Verflechtung der Verfolgungskriterien Straffälligkeit und psychiatrische Diagnose spezifische Verfolgungswege identifizieren lassen. Angeklagte in Strafverfahren, die als nicht zurechnungsfähig eingestuft wurden, wurden in psychiatrische Anstalten eingewiesen. Viele dieser forensischen Patient:innen wurden im Zuge des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms ab 1940 ermordet oder 1944 in Konzentrationslager, insbesondere nach Mauthausen, deportiert. Das Projekt rekonstruiert den Weg von Psychiatriepatient:innen durch die Strafjustiz, die psychiatrische Begutachtung, den Klinikalltag, das nationalsozialistische „Euthanasie“-Programm und die KZ-Haft. Das vorliegende Projekt ergänzt ein Forschungsprojekt über Patient:innen forensischer Anstalten im nationalsozialistischen Deutschland um eine vertiefte Untersuchung der spezifischen Situation im nationalsozialistischen Österreich zwischen 1938 und 1945. Ziel ist es, die Besonderheiten der Geschichte der forensischen Anstaltspatient:innen in einem an das Deutsche Reich angegliederten Gebiet zu untersuchen. Dazu werden u.a. Patient:innenakten und Datenbanken mehrerer österreichischer Archive und Gedenkstätten konsultiert.

Jens Kolata, MA, studierte Geschichte und Soziologie an den Universitäten Tübingen und Groningen. Von 2009 bis 2015 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Tübingen. In seinem Promotionsprojekt an der Universität zu Köln untersuchte er eugenische Debatten in der deutschen medizinischen Presse zwischen 1911 und 1976. Seit 2019 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main tätig. Aktuell arbeitet er an dem Forschungsprojekt „Forensische Anstaltspatienten im Nationalsozialismus“. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Eugenik, die Medizin im Nationalsozialismus und die nationalsozialistische Verfolgung von sozial Ausgegrenzten.



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