Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Kamil
Kijek
Das letzte polnische Shtetl?
Die jüdische Gemeinde in Dzierżoniów, die Jüdische Welt, der Kalte Krieg und der Kommunismus (1945-1950)
Das Hauptanliegen meiner Forschung ist die Behandlung einiger der zentralen Themen- und Problemkomplexe der polnisch-jüdischen, jüdischen und polnischen Geschichtsschreibung in der Nachkriegszeit und während des Kalten Krieges, die anhand einer kleinstädtischen, jüdischen Gemeinde aus mikrohistorischer Perspektive behandelt werden. Die jüdische Gemeinde in Dzierżoniów bietet dabei einen besonders spannenden Forschungsgegenstand, da ihre Mitglieder noch im Juli 1946 fast 50% der gesamten Stadtbevölkerung ausmachten. Im Prisma der Mikrogeschichte untersuche ich jüdischen Transnationalismus auf beiden Seiten des “Eisernen Vorhangs”, Zionismus sowie Kommunismus und deren Rivalität, Antisemitismus und polnisch-jüdische Beziehungen, und schließlich die Rolle der polnischen Übernahme jenes ehemals deutschen Landstrichs, in dem Dzierżoniów (Reichenbach) lag, für die jüdische Gemeinde.
Kamil Kijek ist Assistant Professor am Institut für Jüdische Studien der Universität Wrocław. Er hat zahlreiche Fellowships in den USA, Israel, Deutschland und Großbritannien innegehabt. Zu seinen Forschungsinteressen zählen die jüdische Geschichte Zentral- und Osteuropas am Ende des 19. und im 20. Jahrhundert sowie soziale und kulturelle Theorie. 2018 wurde er für seine Publikation Jews and Illiberal Regimes in Eastern Europe after 1917 vom Leonid Nevzlin Research Center for Russian and East-European Jewry der Hebrew University ausgezeichnet.