Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

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Olga
Kartashova

Junior Fellow
10/2025 - 08/2026

Internationale Netzwerke und die Bemühungen von Jüdinnen und Juden um die Verfolgung von Holocaust-Tätern in Polen

funded by La Fodation pour la Mémoire de la Shoah

Dieses Projekt befasst sich mit den Bemühungen polnischer Jüdinnen und Juden um Menschen- und Minderheitenrechte während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit. Es beleuchtet die Kontinuität des von jüdischen Anwälten, Gemeindeleitern und Einzelpersonen in der Zwischenkriegszeit initiierten Aktivismus, der trotz der Herausforderungen von Krieg und Besatzung anhielt. Die Nachkriegsprozesse und jüdischen Nachforschungen in diesen kontinuierlichen Prozess einzuordnen, unterstreicht deren organische Entwicklung, anstatt sie als isolierte Ereignisse zu betrachten. Jüdische Lobbyist:innen spielten eine zentrale Rolle, indem sie für Minderheitenrechte eintraten, Beweise sammelten, vor Gericht Zeugnis ablegten und die jüdische Gemeinschaft als halbautonome Einheit innerhalb der sich entwickelnden Landschaft des internationalen Strafrechts vertraten. Diese Studie bietet eine neue Perspektive auf die Vorstellung der Überlebenden von Gerechtigkeit, ihr Engagement gegenüber der polnischen und anderen Regierungen sowie ihre Unterstützung für Ermittlungen und Prozesse. Die Nutzung umfangreicher internationaler Netzwerke für den Informationsaustausch zwischen Überlebenden, in- und ausländischen jüdischen Gemeinden und juristischen Einrichtungen auf nationaler und internationaler Ebene produzierte eine Fülle von Quellen und Zeugenaussagen für Holocaust-Prozesse und verbesserte damit die Aussichten, die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Olga Kartashova ist Doktorandin in Hebräisch und Judaistik an der New York University und spezialisiert sich auf die Geschichte des Holocaust in Osteuropa, seine Nachwirkungen, Erinnerung, Geschichtsschreibung und Prozesse. Mit einem BA in polnischen und jüdischen Studien von der Universität Breslau, einem MA in vergleichender Geschichte von der Central European University und einem MA in Holocaust-Studien von der University of Haifa bringt Olga Kartashova einen vielfältigen akademischen Hintergrund mit. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am USHMM Mandel Center konzentrierte sie sich auf die rechtlichen Aspekte der Geschichte des Holocaust. Olga Kartashova hat Seminare über die osteuropäischen und jüdischen Wurzeln des Völkerrechts geleitet und wurde mit renommierten Stipendien ausgezeichnet, u.a. vom Saul Kagan Claims Conference Fellowship for Advanced Shoah Studies und dem Zentrum für Holocaust-Studien am Leibniz-Institut für Zeitgeschichte in München.