Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Aurelia
Kalisky
Wie schreiben wir unsere Geschichte?
Die unklassifizierbare Geschichtsschreibung jüdischer Überlebender nach der Shoah
Das Projekt befasst sich mit den Werken und Laufbahnen einer Gruppe von Autor:innen, den „survivor scholars“ („gelehrte Überlebende“). Es untersucht Formen der wissenschaftlichen Forschung und Wissensproduktion, die von jüdischen Holocaustüberlebenden bis zur Mitte der 1980er Jahre betrieben wurde. Diese waren von dem gemeinsamen Ziel angetrieben, die Katastrophe zu dokumentieren und ihre Geschichte zu schreiben. Abgesehen von den Unterschieden zwischen ihren Ansätzen haben sie eigenständige historiografische Formen entwickelt, die umso wertvoller erscheinen, als sie jüngste Reflexionen über die Geschichtsschreibung der Shoah und über die Notwendigkeit einer interdisziplinären Entwicklung der Holocaustforschung und Geschichtswissenschaft im Allgemeinen vorwegnehmen.
Aurelia Kalisky, Literaturwissenschaftlerin, seit 2021 Fellow am Centre Marc Bloch in Berlin, unterstützt von der Fondation pour la Mémoire de la Shoah. Zahlreiche Artikel über Zeugenschaft, Zeugnisliteratur, Erinnerungspolitik und Geschichtsschreibung im Zusammenhang mit genozidaler Gewalt, insbesondere der Shoah und dem Genozid an den Tutsi in Ruanda.