Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Paul
Hanebrink
Erinnerung an den Antifaschismus neu überdenken
Das Projekt untersucht die antifaschistische Erinnerungskultur in Österreich, Ungarn und Italien. Das Ziel ist nicht, verstaubte und veraltete Geschichten über längst verstorbene Held:innen des Widerstands zu rehabilitieren. Vielmehr untersucht es die antifaschistische Erinnerungskultur in ihrem historischen Kontext: die Hoffnungen, die in seine Entstehung gesetzt wurden, sowie die darauffolgende Enttäuschung sollen einer neuen Betrachtung unterzogen und Widersprüche dabei als produktiv für die Bedeutung, nicht als sachliche Fehler behandelt werden. Vor allem aber gilt es zu fragen, welches Erbe diese Ambivalenzen für die Gesellschaften in Europa und Nordamerika hinterlassen, die erneut über die historische Beziehung zwischen den vergangenen Kämpfen gegen Verfolgung und den Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten unserer Zeit diskutieren.
Zu den primären Leitfragen gehören: Wie verbreiteten sich Formen und Institutionen, entwickelt, um das antifaschistische Gedächtnis einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln, über nationale Grenzen hinweg? Welche Rolle spielten jüdische Linke und das Schreckgespenst des „jüdischen Kommunismus“ im Leben und Nachleben dieser Gedenkpraktiken? Und wie passten sich Institutionen, die mit der Bewahrung und Weitergabe des antifaschistischen Gedächtnisses beauftragt waren, an das Aufkommen der Holocaust-Erinnerung auf beiden Seiten des Atlantiks an?
Paul Hanebrink ist Professor für Geschichte und Jüdische Studien an der Rutgers University – New Brunswick, wo er seit 2001 lehrt. Er ist Autor von zwei Büchern: In Defense of Christian Hungary. Religion, Nationalism, Antisemitism, 1890-1944 (Ithaca, 2006) und A Specter Haunting Europe. The Myth of Judeo-Bolshevism (Cambridge, MA, 2018), das auch in italienischer und rumänischer Übersetzung erschienen ist. Darüber hinaus ist er seit 2014 Mitglied des akademischen Ausschusses des United States Holocaust Memorial Museum.
paul.hanebrink@vwi.ac.at