Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Elisabeth
Gallas
Zeitdiagnosen aus New York:
Jüdische Deutungen des Holocaust in den 1940er-Jahren
Bisher kaum beachtete Dokumentations- und Deutungsversuche, die europäische Emigrantinnen und Emigranten sowie amerikanisch-jüdische Akteurinnen und Akteure im Laufe der 1940er-Jahre in Konfrontation mit der katastrophischen Gegenwart Europas in New York unternahmen, stehen im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens. Diese Publikationen aus dem Umkreis des Institute of Jewish Affairs, der Jewish Social Studies, des American Jewish Committees bieten nicht nur wertvolle zeithistorische Dokumente, die neue Perspektiven auf die außereuropäische jüdische Wahrnehmung des Holocaust und daraus hervorgehenden Plänen der Wiederherstellung jüdischer Existenz nach Kriegsende ermöglichen. Die hier produzierten Texte bilden gleichzeitig ein bisher unbekanntes Fundament für Deutungsachsen und Verstehenshorizonte, die sich in den späteren Dekaden in der historischen Annäherung an das Ereignis des Holocaust ausbildeten und somit die bisherige Periodisierung seiner Aufarbeitungsgeschichte in Frage stellen.
Elisabeth Gallas studierte Kulturwissenschaften und Germanistik an der Universität Leipzig sowie Soziologie an der Universität Kopenhagen; 2005 M.A. an der Universität Leipzig mit einer Arbeit zur Rezeption literarischer Texte von Holocaust-Überlebenden in der Bundesrepublik, seit Herbst 2005 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur e.V. an der Universität Leipzig, seit November 2010 als stellvertretende Ressortleiterin des Ressorts Recht, Institutionen, Politik; 2011 Promotion an der Universität Leipzig mit dem Thema: ‘Das Retten der Bücher. Vom Offenbacher Depot zum jüdischen Geschichtsdenken nach dem Holocaust’.