Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Katharina
Friedla
Jüdische Lebenswelten in Breslau und Wrocław, 1933-1949:
Umgangs- und Überlebensstrategien, Selbstbehauptung und Identität, Verfolgungserfahrung
Sowohl die Vernichtung der jüdischen Breslauer und Breslauerinnen während des Krieges als auch die Politik der Volksrepublik Polen haben dazu beigetragen, dass eine Wiederbelebung eines jüdischen Alltags in Wrocław nicht gelungen ist. Die Erinnerung an das Breslauer Judentum, seine Ausgrenzung, Unterdrückung, Verfolgung und Ausrottung durch das NS-Regime, aber auch die Geschichte des polnisch-jüdischen Wrocław wurde im Kalten Krieg ausgelöscht. Das Forschungsvorhaben setzt an mit einer Analyse jüdischer Lebenswelten in Breslau in den Jahren des Nationalsozialismus, als die staatliche Diffamierung und die antijüdische Gewalt eskalierten und schließlich in Vertreibung und Vernichtung mündeten. Dargestellt und analysiert werden aber auch der Umbruch nach 1945, die Situation der überlebenden deutschen Juden in Breslau/Wrocław, sowie der polnisch-jüdischen Holocaust-Überlebenden, die in der Stadt angesiedelt wurden. Welche Handlungsspielräume gab es, welche Reaktionen auf die Verfolgungssituation, welche Überlebensstrategien waren möglich? Wie konnte man sich behaupten, welche Identitätskonstruktionen standen offen, welche nicht? Wo waren die Schnittstellen zwischen dem jüdischen Leben in der Stadt vor und nach dem Zweiten Weltkrieg?
Katharina Friedla studierte zwischen 1997 und 2000 Geschichte, Jüdischen Studien, Osteuropastudien und Germanistik in Wrocław, Poznań und Berlin und ist seit 2009 Doktorandin am Historischen Seminar der Universität Basel. Forschungsaufenthalte im Yad Vashem Archives Jerusalem (2007), am Deutschen Historischen Institut in Warschau (2009), im Leo Baeck Institut in New York (2009), im YIVO Institute for Jewish Research New York (2009/2010) sowie der Stiftung Dialogik (Mary und Hermann Levin Goldschmied-Bollag, Zürich/ University of Toronto 2010-2011).