Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

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Michal
Frankl

Research Fellow
10/2018 - 03/2019

BürgerInnen des Niemandslandes.

Jüdische Flüchtlinge und die Aushöhlung des Bürgerrechts in Ostmitteleuropa, 1935–1938

Über das ganze Jahr 1938 hinaus entstanden entlang der ostmitteleuropäischen Staatsgrenzen ganz eigentümliche, neue Territorien, quasi Niemandsländer für Flüchtlinge. Kleine oder auch größere Menschengruppen wurden gezwungen, an Straßen, auf Äckern, in baufälligen Gebäuden, zwischen Grenzposten oder hinter Grenzen interniert zu kampieren. Von einer Erkundung dieser Niemandsländer ausgehend, wird die Entwicklung einer restriktiven Flüchtlingspolitik in Ostmitteleuropa untersucht und dabei die Verschiebungen und Verwerfungen hin zu einem mehr und mehr ethnisch definierten (Staats)Bürgerverständnis ab der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre analysiert.

Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Vorgeschichte, der Umsetzung und den Folgen auf die im großen Maßstab erfolgten Ausweisungen von Juden, die zu Grenzschließungen und härteren ordnungspolitischen Maßnahmen gegenüber jüdischen Flüchtlingen und zur Ausbürgerung von Juden führten. Im Vordergrund steht dabei ein besseres Verständnis des Zusammenspiels zwischen der Marginalisierung von ausgebürgerten Juden und jüdischen Flüchtlingen sowie der schrittweisen Aushöhlung der Staatsbürgerschaft sowie der Bürgerrechte der verbliebenen jüdischen Gemeinwesen.

Michal Frankl ist Senior Researcher am Masaryk Institut und Archiv der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und leitet ein Work Package im Rahmen des EU-Projekts European Holocaust Research Infrastructure. Er zeichnet für mehrere Veröffentlichungen zur Geschichte des Antisemitismus, der Flüchtlingspolitiken und des Holocaust in den Ländern Tschechiens sowie Ostmitteleuropa.