Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Filip
Erdeljac
Politische Mobilisierung und nationaler Zerfall im Kroatien des Zweiten Weltkriegs.
Alltagsnationalismus im Königreich Jugoslawien, im Ustascha-Staat und im kommunistischen Jugoslawien 1934-1948
Die Ergebnisse der Erforschung wie die Bevölkerung im Kroatien der Zwischenkriegszeit, des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegsjahre die von den verschiedensten Bewegungen lancierten nationalen und politischen Ideologien deutete, wird das hergebrachte Verständnis der Beziehungen zwischen Massengewalt, Mittäterschaft und Widerstand im Europa des Zweiten Weltkriegs noch weiter ausdifferenzieren. Arbeiter und Bauern waren in Jugoslawien leidenschaftlich und oft erbarmungslos in der Massenpolitik, aber auch in politischer Gewalt verstrickt – während sie häufig eines klaren Verständnisses gerade jener politischen Ideologien entbehrten, die sie zu vertreten vorgaben. Eine Analyse dieses politisch und national gesehen oft inkohärenten Verhaltens, das ‚die gemeinen Leute’ häufig an den Tag legten, liefert uns neue Einsichten in die europäische Geschichte des Zweiten Weltkriegs und lässt uns die vorgebliche Notwendigkeit neu bewerten, Menschen als entweder Faschisten oder Anti-Faschisten, Kollaborateure oder Widerständler, Kommunisten oder Anti-Kommunisten, Opfer oder Täter zu klassifizieren.
Filip Erdeljac, ist Doktorand an der New York University. Seine Forschungen und Publikationen wurden u.a. vom American Council of Learned Societies und dem Mackracken Fellowship gefördert.