Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

Menü

Norman
Domeier

Research Fellow
03/2016 - 09/2016

Weltöffentlichkeit und Diktatur.

Die Auslandskorrespondenten im ‚Dritten Reich’ 1932-1949

Bis zu seinem Sturz umwarb, betörte, täuschte und bedrohte das ‚Dritte Reich’ die in Deutschland stationierten Auslandskorrespondenten. Allein, wenn alle Mittel der Lenkung, vorgeschriebenen Terminologie und Pressekontrolle versagten, zögerte das Regime nicht, die ausländischen Journalisten zu isolieren, einzukerkern und auszuweisen. Nichtsdestotrotz stellten sie eine Kraft dar, der das NS-Regime mediengeschichtlich gesehen in einer durchaus modernen Art seine Aufmerksamkeit schenkte – bis zu seinem Ende. Im Gegensatz zu den Öffentlichkeiten der Alliierten, hatte das ‚Dritte Reich’ formal ja – die Rundfunkreportage ausgenommen – niemals die Vorzensur eingeführt.

Das Forschungsvorhaben konzentriert sich auf die Auslandskorrespondenten als unabhängige Urheber und Akteure von Medienereignissen, wird aber gleichzeitig versuchen, eine Antwort auf die – zumindest seit 1941/1942 – entscheidende Frage zu geben: Was genau wussten die Auslandskorrespondenten über den Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden, und was berichteten sie konkret? Die Erkenntnisse des Projekts gehen dabei über den Zeitrahmen der Jahre zwischen 1932 und 1949 hinaus. Zweck des Vorhabens ist es, grundlegende Prinzipien für die Zeitgeschichte zu etablieren, wie mit dem Verhältnis zwischen Diktaturen und einer potenziell demokratischen Zuhörerschaft umgegangen werden kann – eine bis heute durchaus dringliche Causa.

Norman Domeier ist Assistenzprofessor für moderne europäische Geschichte an der Universität Stuttgart. Er studierte Geschichte, Politikwissenschaften und Publizistik in Göttingen, absolvierte sein MA in moderner europäischer Geschichte 2004 in Cambridge. Seine Dissertation über den Eulenburgskandal im Deutschen Reich am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz 2009 wurde mit dem Preis ‘Geisteswissenschaften International’ des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Zurzeit arbeitet er an einer Studie zu den Auslandskorrespondenten in Deutschland unter dem ‚Dritten Reich’.