Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

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Philipp
Dinkelaker

Junior Fellow
10/2021 - 06/2022

‘Jüdische Kollaboration’?

Ehrengericht, Strafgericht und Entschädigungsverfahren gegen Shoah Überlebende im post-nationalsozialistischen Deutschland

Mein PhD-Projekt beschäftigt sich mit den moralisch-ethischen Vorwürfen und dem strafrechtlichen Vorgehen gegenüber deutsch-jüdischen Überlebenden der Shoah, die im geteilten Nachkriegsdeutschland als Nazi-Kollaborateure beschuldigt wurden. Gegenstand meiner Analyse sind die Eigenlogiken, mit denen deutsch-jüdische Überlebende und die beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften jenen Jüdinnen und Juden begegneten, die von den Nazis zu Gewalt an Anderen gezwungen worden waren. Meine Analyse ist vor dem breiteren Hintergrund der deutschen Vergangenheitsbewältigung verortet. Anhand neu zusammengestellter Quellen zeige ich, dass die derart beschuldigten, jüdischen Überlebenden nicht nur vor innerjüdische Ehrengerichte gestellt wurden, sondern dass eine beachtliche Zahl vermeintlicher Gestapo-HelferInnen von der deutschen oder sowjetischen Gerichtsbarkeit verurteilt wurde, während die eigentlichen Täter aus der Riege der Gestapo weitgehend straffrei blieben.

Philipp Dinkelaker, studierte Neue Geschichte, Alte Geschichte und Philosophie in Berlin. Seine 2017 im Metropol Verlag erschienene Magisterarbeit Das Sammellager in der Synagoge Levetzowstraße 1941/1942 widmet sich einem bisher unerforschten Tatort der Shoah in Berlin und dessen Wahrnehmbarkeit im Alltag der damaligen Reichshauptstadt. Philipp Dinkelaker war Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung und Fellow am Zentrum für Holocaust-Studien des Instituts für Zeitgeschichte in München.