Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

Menü

Johannes
Dieter-Steinert

Senior Fellow
03/2014 - 08/2015

Zwangsarbeit jüdischer Kinder


Eine beträchtliche Anzahl von jüdischen Kindern wurde während des Zweiten Weltkriegs Opfer des NS-Zwangsarbeitssystems. Sie wurden in Deutschland und im deutsch besetzten Osteuropa gezwungen in Ghettos, Konzentrations- und Arbeitslagern, in der Industrie und in der Landwirtschaft zu arbeiten. Wehrmacht und SS setzten Kinder in erster Linie bei Bauarbeiten an Befestigungsanlagen, Straßen und Flugfeldern ein. Dieses Projekt stellt die erste umfassende Studie zur Kinderzwangsarbeit in NS-Deutschland und im besetzten Osteuropa dar, indem es sich auf eine breite Auswahl von Archivdokumenten und Aussagen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen stützt. Dadurch, dass die Studie Alter und Gender als zentrale Kategorien benutzen wird, wird die Forschungsarbeit den historischen Hintergrund der jüdischen Kinderzwangsarbeit erkennen und sie in der Geschichte des Holocaust zwischen 1938 und 1945 neu verorten. Dabei werden die Arbeits- und Lebensumstände der Kinder, ihre Behandlung sowie ihr Kontakt sowohl zur deutschen Bevölkerung als auch zu anderen Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern näher beleuchtet. Schließlich wird das Projekt die Erfahrung der Befreiung, wie sie in den veröffentlichten und unveröffentlichten Testimonies dargestellt wird, zur Diskussion stellen.

Johannes-Dieter Steiner ist Professor for Modern European History and Migration an der University of Wolverhampton, seine Forschungsschwerpunkte umfassen: Zwangsmigration, Zwangsarbeit so wie Überlebende der NS-Verfolgung. Jüngste Veröffentlichung: Deportation und Zwangsarbeit. Polnische und sowjetische Kinder im nationalsozialistischen Deutschland und im besetzten Osteuropa 1939–1945, Essen 2013.