Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

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Benedetta
Carnaghi

Junior Fellow
09/2018 - 02/2019

L’univers concentrationnaire.

Wie NS-Spione zum System der Deportationen im Zweiten Weltkrieg beitrugen

Benedetta Carnaghis Arbeit wird die Spionageaktivitäten der italienischen faschistischen Geheimpolizei OVRA (Organizzazione per la Vigilanza e la Repressione dell'Antifascismo) mit ihrer NS-Entsprechung, der Gestapo, zwischen 1927 (dem Gründungsjahr der OVRA) und 1945 vergleichen.

Dabei wird aber der traditionelle Fokus verlagert werden: weg von einer reinen Institutionengeschichte hin zu einer detaillierten Analyse der Profile und Motive der Informanten. Geschichtsschreibung wird so als Werkzeug genutzt, um aktiv in die laufenden Debatten über Überwachung zu intervenieren. Ziel des Wiener Forschungsaufenthaltes ist aber vor allem die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Spionage und Deportation.

Dabei wird der Rahmen und die Befehlskette des NS-Terrorsystems von unten nach oben analysiert: Die letzten Rädchen in diesem waren Spione, die vorgaben, Verbündete der antifaschistischen Widerstandskämpfer zu sein, tatsächlich aber ständig deren Namen an Vertreter des NS-Regimes weitergaben. Ziel ist es, zu klären, wer diese Spione letztlich waren, vor allem was sie dazu motivierte, die Festnahme und Deportation von Widerständlern, alliierten Soldaten und Juden zu betreiben.

Benedetta Carnaghi is Doktorandin der Cornell University in Ithaca/NY. Sie erhielt zahlreiche Fellowships, zuletzt vom Judith Reppy Institute for Peace and Conflict Studies, vom Chateaubriand Fellowship Program, von der Lemmermann Foundation, und vom Trinity College’s Cesare Barbieri Endowment. Ihre jüngsten Veröffentlichungen: Three Layers of Ambiguity. Homosexual Spies and International Intrigue in Fascist Italy in einer Sonderausgabe von The Space Between. Literature and Culture 1914–1945.