Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

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Patrick
Bernhard

Senior Fellow
09/2022 - 01/2023

Nordafrika und der Holocaust:

Eine Verflechtungsgeschichte von Nationalsozialismus und Kolonialismus

Bis heute ist die Frage nach dem Zusammenhang von Kolonialismus und Nationalsozialismus hoch umstritten. Das Projekt stellt sich dem Problem auf neue Weise: Anstatt wie bisher üblich Vergleiche zu ziehen zwischen der deutschen Präsenz in Afrika während des Deutschen Kaiserreichs seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in Osteuropa 40 Jahre später, soll nun die transnationale Perspektive untersucht werden; wie sich der vom NS-Staat initiierte und vorangetriebene Holocaust auf kolonialem Boden in Nordafrika abspielte, als die Region zu einem wichtigen Schauplatz des Zweiten Weltkriegs wurde und die 450.000 dort lebenden jüdischen Menschen in den Fokus der Verfolgung gerieten.
Konzeptionell orientiert sich die Arbeit damit an Zugängen neuerer Arbeiten zum Holocaust in Ost- und Südosteuropa, die die Verfolgung und Ermordung der Jüdinnen und Juden vor dem Hintergrund bereits bestehender lokaler Konflikte zwischen als religiös, ethnisch oder rassisch definierten Bevölkerungsgruppen analysieren und damit in zeitlich längere Zusammenhänge einbetten.

Patrick Bernhard, Professor für Moderne Europäische Geschichte an der Universität Oslo. Zu seinen Schwerpunkten zählen unter anderem kollektive Gewalt in der Moderne, die Geschichte des Mittelmeers und das Verhältnis von Kolonialismus und Faschismus. Er publizierte zuletzt zu kolonialer Massengewalt und Judenverfolgung in Nordafrika sowie zu Nazi-Deutschland und seinen Verflechtungen mit anderen Imperien.