Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Gerhard
Baumgartner
Das ‘Zigeunerlager Lackenbach’ – eine Monographie
Das ‘Zigeunerlager Lackenbach’ – eine der wichtigsten Stätten der nationalsozialistischen Verfolgung und Ermordung deutscher und österreichischer Roma und Sinti – ist eines der letzten großen Lager der NS-Zeit, über das bislang keine zusammenfassende Monografie vorliegt. Im Zuge der großen Forschungsprojekte der 1990er-Jahre zeigte sich, dass sich wichtige Quellen für eine Geschichte des Lagers in verschiedenen österreichischen Regional- und Lokalarchiven befinden, die mangels einer systematischen Suche unbekannt geblieben waren. Mithilfe dieser neuen Quellen, der Akten der nach Kriegsende durchgeführten Verfahren gegen Mitglieder der Wachmannschaften sowie den Augenzeugenberichten von Überlebenden, die in Opferfürsorgeakten aufgefunden werden konnten, sollen nun die Lücken der Lagergeschichte geschlossen werden, darunter die Entstehungsgeschichte des Lagers, die vorangegangenen Diskussionen oder die Intentionen der daran beteiligten Ämter. Gleichzeitig soll der Versuch unternommen werden, eine möglichst vollständige Liste der rund 4.000 Gefangenen zu erstellen. Ziel dabei ist es auch, das Lager in einen größeren Zusammenhang mit anderen Anhalte- und Zwangsarbeitslagern für Roma und Sinti sowie dem KZ-Lagersystem insgesamt zu stellen.
Gerhard Baumgartner, Historiker und Journalist, Leiter der internationalen Forschungsvereines Kanzlei in Wien, Mitherausgeber der historisch-theoretischen Zeitschrift Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, ehemaliger Projektleiter der Österreichischen Historikerkommission und der ‘Namensdatenbank der Roma und Sinti unter den österreichischen Holocaustopfern’; verantwortlicher Sendungsredakteur für Fernsehprogramme des ORF Landestudios Burgenland. Er war Lehrbeauftragter an den Universitäten in Wien, Salzburg, Klagenfurt, Budapest und Tel Aviv und wurde 2003 mit der Comenius Medaille für Europäische Bildungsmedien ausgezeichnet und ist Lehrbeauftragter an der FH-Joanneum in Graz/Österreich.