Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

Menü

Pavel
Baloun

Junior Fellow
10/2017 - 07/2018

„Massakriert sie alle!“

Kollektive Gewalt und die Dynamik tsiganophober Maßnahmen in der Tschechoslowakei 1918–1942

Das Forschungsvorhaben erforscht die einzelnen Maßnahmen zur Schaffung und Implementierung der gegen Roma gerichteten Schritte in der Tschechoslowakei während der Zwischenkriegszeit sowie der NS-Besatzung Böhmens und Mährens. Im Mittelpunkt der Analyse steht dabei der Umgang diverser staatlicher Einrichtungen, wie der Gendarmerie, der Gemeinden, Bezirkshauptmannschaften und Gerichte, mit den als ‚Zigeuner‘ stigmatisierten Menschen, wobei vor allem die konkreten Auseinandersetzungen über deren Status von Interesse sind. Auch die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten und Verteidigungsstrategien der Betroffenen werden in die Untersuchung miteinbezogen. Ein weiteres Ziel ist, die Forderungen nach einer ‚Lösung der Zigeunerfrage‘ in den 1930er-Jahren nachzuzeichnen, um so die Dynamik(en) der romafeindlichen Maßnahmen am Beginn des Zweiten Weltkriegs mit seinen gewalttätigen Folgen ausloten zu können.

Pavel Baloun studiert historische Anthropologie und arbeitet zurzeit an seiner Dissertation an der Fakultät für Geisteswissenschaften der Prager Karls-Universität. In Zusammenarbeit mit dem Institut Theresienstädter Initiative baut er im Rahmen eines Projekts eine Datenbank zu den Roma-Opfern des Holocaust in den böhmischen Ländern auf.