Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Timo
Aava
Jüdische Kulturautonomie im Estland der Zwischenkriegszeit und die Lebensbahnen jüdischer Autonomie-AktivistInnen nach dem Zusammenbruch
Der Fokus dieses Forschungsprojekts ist die jüdische Kulturautonomie im Estland der Zwischenkriegszeit. Das Kulturautonomiegesetz von 1925 ermöglichte es den ethnischen Minderheiten eigene und unabhängige Regierungs- und Verwaltungsstrukturen aufzubauen und, durch Steuereinnahmen finanziert, selbstständige Entscheidungen für den Kultur- und Bildungsbereich zu treffen. Zwei Minderheitengruppen – die deutsche und die jüdische – etablierten eine Selbstverwaltung. Ich verfolge die Genese der jüdischen Autonomie und analysiere ihre Funktionsweise. Die Analyse widmet sich auch der Frage inwieweit die estnische jüdische Gemeinschaft sich an breiteren Debatten über jüdische Autonomie in der Spätphase des zaristischen Russlands sowie der Revolutionszeit beteiligte. Zugleich werden die Lebensbahnen einzelner Führungsgestalten jüdischer Autonomie in dieser Umbruchszeit nachgezeichnet.
Timo Aava ist Doktorand und Mitglied des ERC-Projekts NTAutonomy am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien. Er war als Forschungsmitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig und hat Geschichte an der Universität Tartu studiert, wo er 2015 seinen Master abschloss. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen: politische Ideen mit einem Fokus auf dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, baltische und estnische Geschichte, Marxismus, Nationalismus, nicht-territoriale Autonomie.