Tanja Schult: Ein Held, der hält?

Raoul Wallenberg in Kunst und Populärkultur

Donnerstag, 07. Februar 2013 - 18:30
Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs
Minoritenplatz 1, 1010 Wien

Die Nachwelt kennt Raoul Wallenberg als schwedischen Diplomaten, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs jüdische Ungarinnen und Ungarn vor der Ermordung durch deutsche Nationalsozialisten und ungarische Pfeilkreuzler bewahrte. Sein selbstloser Einsatz in Budapest, seine Verhaftung durch die Sowjets nach der Befreiung der Stadt sowie sein mysteriöses Verschwinden im Gulag sind Grundelemente des Mythos Wallenberg, der Kunst, Literatur und Populärkultur bis heute zu Nachbildern anregt.

2012 wäre Wallenberg 100 Jahre alt geworden: Zeit, Bilanz zu ziehen. Wie wird er heute erinnert und welche gewandelten Heldenvorstellungen drücken sich in den Formen dieser Erinnerung aus? Wallenbergs Lebensgeschichte sowie die Umstände seiner Mission bieten viele Aspekte, die sich zur nationalen und transnationalen Vereinnahmung eignen. Gleichzeitig lassen sie auch vielfältige Heldenbilder in sehr unterschiedlichen Genres zu. An die Stelle des National- oder Kriegshelden tritt nun der Kosmopolit Wallenberg, der zivile Held, dem demokratische Gesellschaften Denkmäler – nicht nur aus Stein und Marmor – errichten.

Tanja Schult arbeitet seit September 2012 als Dozentin am Hugo Valentin Centrum der Universität Uppsala. Sie studierte Kunstgeschichte, Skandinavistik und Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Erlangen, Lund und Berlin. Ihre Doktorarbeit verteidigte sie 2007 an der Humboldt-Universität. Die Arbeit wurde 2009 unter dem Titel A Hero’s Many Faces. Raoul Wallenberg in Contemporary Monuments veröffentlicht. 2008 kuratierte sie die multimediale Ausstellung RaoulWallenbergBilder in Stockholm und publizierte mehrere Artikel zu den Nachbildern Wallenbergs in Kunst und Populärkultur.

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