Omer Bartov: Die letzten Tage von Buczacz
Die Zerstörung einer multiethnischen Stadt
Jüdisches Museum Wien
Palais Eskeles, Dorotheergasse 11, 1010 Wien
In seinem Vortrag beschäftigt sich Omer Bartov mit der Art und Weise, in der sich Ukrainer, Polen und Juden an den Holocaust in der einst multiethnischen Stadt Buczacz erinnern – dem Geburtsort Simon Wiesenthals (sowie Omer Bartovs Mutter). Vormals in der österreichisch-ungarischen Provinz Galizien gelegen, später dann in den Ostgebieten Polens und jetzt in der Westukraine, war Buczacz viele Jahrhunderte lang durch die ethnische und religiöse Vielfalt seiner Bevölkerung gekennzeichnet. Während des Zweiten Weltkriegs ermordeten die Nazis die gesamte jüdische Bevölkerung, während die polnischen Einwohner Opfer ethnischer Säuberungen durch die ukrainischen Nationalisten und die sowjetischen Behörden wurden. Anhand schriftlicher und mündlicher Berichte von Opfern und Überlebenden dieser Ereignisse untersucht Omer Bartov das Verhältnis von Erinnerung und Geschichte, von Einzelschicksalen und großen historischen Veränderungsprozessen und liefert Argumente für die heilende Wirkung der Vergangenheitserinnerung und -bewältigung. Der Vortrag wird von zahlreichen Bildern von Buczacz und der Forschungstätigkeit Omer Bartovs in dieser Stadt begleitet.
Omer Bartov, Prof. Ph.D., ist Professor für Europäische Geschichte an der Brown University in Providence, Rhode Island, USA. Er ist Empfänger von Stipendien des Radcliffe Institute for Advanced Study in Harvard sowie der Guggenheim-Stiftung und war auch Junior Fellow an der Society of Fellows in Harvard, Visiting Fellow am Davis Center in Princeton und Alexander von Humboldt Fellow. Bartov wurde 2005 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Derzeit ist er Fellow an der American Academy in Berlin, Hans Arnhold Center. Omer Bartov ist Mitglied des zukünftigen Internationalen Wissenschaftlichen Beirats des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien (VWI).