Mary Fulbrook: Doch noch nicht Geschichte

Generationen und die langfristigen Folgen der NS-Verfolgung

Donnerstag, 11. Juni 2015 - 18:30
Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs
Minoritenplatz 1, 1010 Wien

Lange drängten viele darauf, endlich einen ,Schlussstrich‘ unter die NS-Vergangenheit zu ziehen. In den 1980er-Jahren monierten so manche mit Ernst Nolte, die jüngste Geschichte sei „eine Vergangenheit, die nicht vergehen“ wolle. Heutzutage macht sich eine gegenläufige Stimmung breit. Man bedauert das nahende Ableben der Zeitzeugengeneration und fürchtet, dass – wenn einmal die Überlebenden nicht mehr da sein werden – das ,Dritte Reich‘ zu einem Kapitel der Geschichte würde, für das sich jüngere Generationen kaum oder gar nicht mehr interessieren.

Der Vortrag thematisiert die anhaltende Bedeutung der NS-Geschichte. Allein die Bedeutung der Shoah und der Naziverfolgung ist nicht ausschließlich an den Begriffen ‚kollektive Erinnerung’ oder ‚europäische Identität’ zu messen, sie hat viel mehr mit den langfristigen Auswirkungen auf nachfolgende Generationen zu tun. Und um dieser Bedeutung gerecht zu werden, bedarf es nicht nur des Mitleids mit den Opfern, sondern es müssen auch die Täterinnen und Täter genauer unter die Lupe genommen werden.

Mary Fulbrook, FBA, ist Professorin für Deutsche Geschichte, Direktorin des Europäischen Instituts, und Dekanin der Fakultät der Sozial- und Geschichtswissenschaften am University College London (UCL). Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen zu Themen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts vorgelegt, darunter mehrere Bücher zur DDR-Geschichte und zur Geschichte und Nachgeschichte des Nationalsozialismus: A Small Town near Auschwitz: Ordinary Nazis and the Holocaust, und Dissonant Lives: Generations and Violence through the German Dictatorships. Derzeit schreibt sie ein einer Monografie mit dem Titel Living with a Nazi Past.

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