Irene Messinger & Éva Kovács: Jüdische Fürsorge im Schatten der Vernichtung
Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI), Research Lounge, 3. Stock
Rabensteig 3, 1010 Wien
Die Fürsorgerin Franzi Löw kämpfte unerschrocken um das Überleben der Gemeindemitglieder, unterstützt von Personen aus der katholischen Kirche oder der evangelischen Schwedenmission. Nach fünf Jahren in der Fürsorge der IKG Wien übernahm Franzi Löw 1942 deren Leitung. Ab November 1942 war diese Aufgabe für die wenigen verbliebenen Juden und Jüdinnen dem „Ältestenrat der Juden in Wien“ unterstellt. Mit dem Eintreffen der ungarisch- jüdischen Zwangsarbeiter:innen und deren Familien im Sommer 1944 prägten nun auch wieder Jüdinnen und Juden das Stadtbild. Die NS-Behörden bzw. das SEK wurden vor die Aufgabe gestellt, eine – wenn auch nur rudimentäre – Krankenversorgung für diese Menschen zu sichern, die im Rahmen des bestehenden jüdischen Gesundheits- und Fürsorgewesens erfolgen sollte. Eine quantitative Auswertung der Krankenakten gibt Auskunft über die Behandlung in den Spitälern des Ältestenrats in Wien.
Neben Franzi Löw kümmerte sich auch die Krankenschwester Mignon Langnas um die Gesundheit und die Versorgung dieser Zwangsarbeiter:innen. Durch ihre lebensgefährlichen Aufgaben stehen die beiden noch heute als Symbolfiguren für humanitäre Hilfe sowie für Widerstand und den Kampf gegen Diskriminierung.
Anhand zweier Vorträge aus laufenden Projekten sollen im Rahmen der Veranstaltungsreihe rÆson_anzen neue Forschungsergebnisse zu jüdischer Fürsorge während der NS-Zeit in Wien präsentiert werden.
- Irene Messinger, FH Campus Wien, Soziale Arbeit: Interkonfessionelle Vernetzung der jüdischen Fürsorgerin Franzi Löw.
- Éva Kovács, Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI): „Sind wir noch normal?“ Ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter:innen in den Spitälern des Ältestenrats in Wien, 1944-1945.
Hier finden Sie die Einladung als PDF.
Abbildungen: Aufnahme- und Transportbestätigung einer ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiterin im Jüdischen Spital Malzgasse, August 1944, Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.