Gabriele Anderl: 9096 Leben. Der unbekannte Judenretter Berthold Storfer
Mit einem Vorwort von Arno Lustiger, Berlin 2012
Haus Wittgenstein, Bulgarisches Kulturinstitut
Parkgasse 18, 1030 Wien
1880 in Czernowitz geboren und im Ersten Weltkrieg Kriegswirtschaftsrat im Majorsrang, wurde Berthold Storfer nach 1918 ein einflussreicher Bankier, Finanzexperte und Unternehmer in Wien. Nach dem März 1938 legte er, selbst Jude, den Behörden Pläne zur Durchführung der jüdischen Auswanderung vor – davon überzeugt, durch sein Organisationstalent und seine Kontakte Verfolgte leichter und schneller als Andere außer Landes bringen zu können. Im Frühjahr 1939 ernannte ihn Adolf Eichmann zum Leiter des „Ausschusses für jüdische Überseetransporte“. Unter den widrigsten Bedingungen organisierte Storfer nun die Flucht Tausender Verfolgter mittels "illegaler" Schiffstransporte nach Palästina, mit denen jüdische Flüchtlinge unter Missachtung der Einwanderungsbeschränkungen in das britische Mandatsgebiet geschleust wurden. Die Kooperation mit Eichmann brachte Storfer jedoch in heftige Konflikte mit Vertretern zionistischer Organisationen, die ihm vorwarfen, Verräter und Kollaborateur zu sein. Was seine eigene Flucht betraf, ließ der bis heute fast unbekannte Judenretter zahlreiche Möglichkeiten ungenutzt: Er tauchte zwar im September 1943 unter, wurde jedoch aufgespürt, nach Auschwitz deportiert und dort 1944 erschossen.
Begrüßung
Bertrand Perz (Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien)
Musikprogramm
Ilse Schumann (Klavier)
Alfred Pfleger (Geige)
spielen:
Robert Dauber, Serenade für Violine und Klavier (1942)
Podiumsgespräch
Gabriele Anderl (Autorin)
Albert Lichtblau (Zentrum für jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg)
Im Rahmen der Veranstaltung wird – mit freundlicher Genehmigung des Regisseurs – der 35-minütige Ausschnitt "Jewish Exodus" aus Péter Forgács' Werk "The Danube Exodus" (1998) vorgeführt.