Erinnerung, Zeugenschaft, Zukunft
30 Jahre Austrian Heritage Collection
Jüdisches Museum Wien
Dorotheergasse 11, 1010 Wien
2002 zeigte das Jüdische Museum Wien und das Leo Baeck Institut New York eine Ausstellung über die Arbeit der Austrian Heritage Collection (AHC) unter dem Titel „Vom Großvater vertrieben, vom Enkel erforscht? Zivildienst in New York“. Heuer feiert das Projekt sein 30-jähriges Bestehen. Aus der Zusammenarbeit des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, des Austrian Cultural Forum New York (ACFNY), des Vereins GEDENKDIENST und des New Yorker Leo Baeck Instituts entstanden, reisen seit 1996 jedes Jahr österreichische Freiwillige in die Vereinigten Staaten. Die am dortigen Leo Baeck Institut beheimatete Austrian Heritage Collection verfolgt seitdem das Ziel die Geschichte österreichisch-jüdischer Emigrant:innen, die in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft über Europa nach Nordamerika geflohen sind, zu dokumentiere
30 Jahre nach der Gründung haben 57 verschiedene Gedenkdienstleistende über 1000 Oral History Interviews geführt. Mehr als 4000 Fragebögen wurden retourniert, zahlreiche zeitgenössische Dokumente gesammelt. Ihre Geschichten berichten von Verfolgung und Vertreibung, von Entrechtung und Enteignung, von einer oftmals gestohlenen und wiederum neu gewonnenen Heimat, von ihrem Verhältnis zu Österreich und den Österreicher:innen. Ihre Stimmen werden auch durch die Gedenkdienstleistenden -ganz im Sinne Elie Wiesels, „Wer einem Zeugen zuhört, wird selbst zum Zeugen“- weitergetragen. Dieser persönliche Kontakt zwischen jungen Österreich:innen und Emigrant:innen zeichnet die Austrian Heritage Collection besonders aus. In den 30 Jahren ihres Bestehens sind Kontakte und Freundschaften entstanden, gegenseitige Besuche sind vielfach erfolgt.
Mit dem Sterben der letzten Emigrant:innen und Überlebenden, mit dem „Ende der Zeitzeug:innenschaft“, steht auch die AHC vor einer neuen Herausforderung. Seit 2025 ist es bereits Realität der Gedenkdienstleistenden, vor allem Kinder, Neffen und Nichten von Überlebenden und Emigrant:innen -die sogenannte 2. Generation- zu interviewen. So sehr dies das Projekt künftig nachhaltig verändern wird, bringen diese Menschen wieder neue Perspektiven ein. Das 30 jährige Bestehen der Austrian Heritage Collection ist auch deshalb keineswegs nur ein Grund zum Feiern, sondern auch ein Zeitpunkt der Reflexion.
Martin Horváth, Emma Schrott und Miriam Bonaparte haben ihren Gedenkdienst in New York geleistet. Sie haben österreichisch-jüdische Emigrant:innen und Überlebende, die in den Vereinigten Staaten und Kanada eine neue Heimat gefunden haben, interviewt. Nach einleitenden Worten von Hannah Lessing (Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus), Albert Lichtblau (Universität Salzburg) und Philipp Rohrbach (VWI) erzählen diese drei ehemaligen Gedenkdienstleistenden von ihrer Motivation einen Zivil- beziehungsweise Freiwilligendienst am New Yorker Leo Baeck Institut geleistet zu haben, von ihren Erfahrungen und Erinnerungen an Gespräche mit Zeitzeug:innen, sie reflektieren ihre eigene Rolle im Projekt, das so häufig diskutierte „Ende der Zeitzeug:innenschaft“ sowie die Bedeutung und Zukunft der Austrian Heritage Collection.
Anmeldung zu Erinnerung, Zeugenschaft, Zukunft: 30 Jahre Austrian Heritage Collection
Einlass: 18:00 Uhr
Freier Eintritt
Eine Kooperationsveranstaltung des Vienna Wiesenthal Insitute mit dem Jüdischen Museum Wien, dem Leo Baeck Institute New York und dem Verein GEDENKDIENST.
Eine Kooperation mit