Archiv

Kontakt:
 

Für den Besuch des Archivs ist  eine Voranmeldung notwendig.
Öffnungszeiten:
Mo: 9–13 Uhr
Di: 9–13 Uhr
Mi: 11–15 Uhr
 
Bitte bringen Sie einen gültigen Lichtbildausweis mit.

Das Archiv des VWI betreut neben seinem institutseigenen Archiv auch mehrere Sammlungen. Dazu gehört das Archiv des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes (Simon Wiesenthal Archiv) aus den ehemaligen Büros Simon Wiesenthals in Linz und Wien. Seit 2018 sind die holocaustbezogenen historischen Bestände des Archivs der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien als Leihgabe im VWI untergebracht und nutzbar. Das Archiv übernimmt laufend Vor- oder Nachlässe von Personen, die sich mit dem Holocaust oder dessen Erforschung beschäftigt haben, sowie kleinere Sammlungen mit Holocaust-Bezug. Vor Ort können die Videointerviews des Austrian Heritage Archive (AHA), des Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies, die Interview-Sammlung „Final Account: Third Reich Testimonies“, die Interviews der USC Shoah Foundation sowie des Videoarchivs der Refugee Voices genutzt werden.

Simon Wiesenthal Archiv

Mit rund 200 Laufmetern aus dem Zeitraum von 1945 bis 2015 ist das Simon Wiesenthal Archiv (SWA) der umfangreichste Bestand im Archiv des Vienna Wiesenthal Institute for Holocaust Studies (VWI).

Unmittelbar nach seiner Befreiung aus dem KZ Mauthausen beginnt Simon Wiesenthal im Frühsommer 1945 in Linz mit der Suche nach NS-Verbrecher:innen. Die ersten Jahre dieser Suche sind eng verbunden mit Hilfe und Unterstützung für die Überlebenden des Holocaust. Die Überlebenden warten zu Tausenden in Auffanglagern auf eine Möglichkeit zur Auswanderung. Wiesenthal nutzt ihre vorübergehende Anwesenheit zur systematischen Befragung als Zeug:innen von Verbrechen und erlittenem Unrecht. Hunderte von ihnen werden so an US-amerikanische und bald auch österreichische Gerichtsverfahren vermittelt, um dort auszusagen.

Durch die seit 1948 einsetzende Massenauswanderung der Überlebenden bleibt dieses Kapitel nur von kurzer Dauer, die Grundlagen seiner lebenslangen Tätigkeit sind damit allerdings geschaffen. Einen Großteil des in Linz entstandenen Materials übergibt Wiesenthal 1956 an das Archiv von Yad Vashem, wo es noch heute verwahrt wird. Ein großer Teil davon ist inzwischen unter der Record Group M.9 online zugänglich. Den Rest des Materials behält er und nimmt es mit nach Wien. Mit der Gründung des Dokumentationszentrums des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes (BJVN) eröffnet Wiesenthal im Herbst 1961 in Wien ein neues Büro, in dem er seine in Linz begonnene Arbeit wiederaufnimmt. Er sammelt eine Vielzahl an Dokumenten zu NS-Täter:innen und NS-Verbrechen, die heute unter anderem in Form von rund 5.000 Fallakten nutzbar sind.

Neben diesen Fallakten hinterlässt Wiesenthal eine umfangreiche Korrespondenz. Im Laufe seines Lebens steht er mit Tausenden von Privatpersonen in Kontakt, hauptsächlich mit Überlebenden und ihren Angehörigen, anderen Zeug:innen sowie mit Strafverfolgungsbehörden und jüdischen Organisationen weltweit, um Nazi-Verbrechen zu rekonstruieren und die Täter:innen vor Gericht zu bringen. Die Sammlung der erhaltenen Dokumente veranschaulicht die Hindernisse bei der Suche nach Gerechtigkeit im überwiegend gleichgültigen Nachkriegseuropa sowie die unermüdlichen Bemühungen und die Vernetzung von Überlebenden, NGOs, Anwält:innen, Staatsanwält:innen, Historiker:innen und anderen, um diese Hindernisse zu überwinden. Die Dokumente zeigen, wie Wiesenthal, der weltweit zu einer immer bekannteren öffentlichen Figur wird, in der Lage ist, kontinuierlich viele Menschen – potenzielle Zeug:innen und Freiwillige – in die tägliche Arbeit des Zentrums für jüdische historische Dokumentation einzubeziehen, um ehemalige Nazis und ihre Kollaborateur:innen aufzuspüren. Die erhaltenen Dokumente geben zudem einen Einblick in die politischen Kämpfe verschiedener Menschenrechtsorganisationen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, da Wiesenthal Berater oder aktives Mitglied mehrerer von ihnen ist.

Die gesellschaftliche Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und sein Engagement gegen das Vergessen prägen Wiesenthals Leben und Schaffen. Vor seinem Tod äußert Wiesenthal den Wunsch, das gesammelte Material in das VWI zu integrieren, das sich damals noch im Konzeptionsstadium befindet. Hier werden die Archivbestände systematisch erschlossen, in einer Datenbank erfasst, digitalisiert und so der Forschung sowie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.