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Paul Weindling
Senior Fellow (12/2015 - 03/2016)


Medizinwissenschaften in Österreich unter dem NS-Regime. Zwangsemigration und medizinische Experimente

 

Paul-WeindlingDas Forschungsvorhaben besteht aus zwei Elementen:

 

  1.    1. die Verfolgung und Emigration der Wiener jüdischen Ärzte und Ärztinnen, und
  2.    2. die österreichischen Opfer medizinischer Experimente und Zwangsforschung.

 

Beide werden versuchen, österreichische Dokumente auszuwerten, mit dem Ziel, eine biografische Datenbank der Opfer sowohl in einem NS- als auch europäischen Kontext zu entwickeln. Die österreichische Umsetzung der NS-Verfolgung ist hier von besonderem Interesse. Im medizinischen Bereich wurden unmittelbar nach dem ‚Anschluß’ die Maßnahmen des NS-Regimes mit Entlassungen im Bereich der Universitäten und Krankenhäuser, der Kündigung von Versicherungen und der Aberkennung akademischer Titel sehr rasch durchgesetzt. Diese gegen Mediziner gerichteten Schritte waren gleichzeitig vom Terror der Straße begleitet, von Vandalismus, Enteignungen, Boykotten, Razzien und ersten Transporten in die KZs. Der relativ hohe Anteil von Jüdinnen und Juden in der Wiener Ärztekammer brachte auch mit sich, dass die Auswirkungen auf die jüdische Gemeinde ebenso folgenschwer waren. Hier werden die Unterlagen aus dem Archiv der IKG ermöglichen, die Strategien und Antworten auf die Verfolgungen, die Vorbereitungen auf die Emigration näher zu untersuchen.

 

Aber ebenso sind die österreichischen Erfahrungen mit NS-Experimenten im medizinischen Bereich von immenser Bedeutung, war doch eine große Zahl von Klinikern in solchen medizinischen Zwangsversuchen involviert. Hier sind nicht nur die Tötungen in den Kinderfachabteilungen und psychiatrischen Kliniken von Bedeutung, sondern auch die Gehirnforschung: Hier werden die Dokumente und Unterlagen von österreichischen Überlebenden dieser Experimente von äußerster Wichtigkeit sein.


Paul Julian Weindling ist Research Professor für Medizingeschichte an der Oxford Brookes University. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Geschichte der Eugenik und der Sozialfürsorge, NS-Zwangsforschung und -Experimenten sowie deren Opfern, bzw. der Geschichte des internationalen Gesundheitswesen. Seine jüngste Publikation ist Victims and Survivors of Nazi Human Experiments: Science and Suffering in the Holocaust.


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Tel.: +43-1-890 15 14-600

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