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Jacqueline Vansant

Senior Fellow (11/2017–05/2018)

 

Der außergewöhnliche Briefwechsel jüdisch-österreichischer Schulkameraden 1938–1953

 

VANSANTNach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1938 stand eine Gruppe von 15- und 16-jährigen Wiener jüdischen Burschen auf einer Brücke und nahm Abschied – ‚für immer‘: Sie wussten nicht, was aus ihnen werden würde oder wohin sie das Schicksal verschlagen würde. Dennoch versprachen sie einander, dass sie alles daran setzen würden, um weiter in Kontakt zu bleiben. Dieses Versprechen führte zu einer Gruppenkorrespondenz – einem Rundbrief, wie sie es nannten –, welche sich über mehr als ein Jahrzehnt und über drei Kontinente erstrecken sollte. Dieser Bestand aus 106 Rundbriefen und 675 Einzelbriefe befindet sich seit 1994 im Grazer Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich.

 

Veröffentlichte Briefe zwischen Freunden dieses Alters, die ‚Anschluß‘, Exil und Anpassung an eine neue Umgebung als Jugendliche und junge Erwachsene erleben mussten, sind selten. Die geplante Edition dieses Briefwechsels wird Gelegenheit bieten, die Erfahrungen und Gedanken dieser Altersgruppe, die Herausforderungen, denen diese jungen Menschen gegenüberstanden, ihre Adoleszenz besser zu verstehen. Die – an sich schon bemerkenswerte – zeitliche Dauer des Schriftverkehrs ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, in welchem Ausmaß die verschiedenen Erfahrungen und Milieus die Burschen bzw. jungen Männer und deren Identitäten prägten.

 

Die Veröffentlichung der Briefe wird einen wichtigen Beitrag für Exil-, Holocaust- und Migrationsstudien leisten und zeigen, wie die Aufrechterhaltung des Kontakts innerhalb einer Peergroup mit gemeinsamem kulturellen Hintergrund half, das Trauma des Exils bzw. des Übergangs vom Exil in die Emigration zu überwinden.

 

Jacqueline Vansant ist Professorin für Germanistik an der University of Michigan-Dearborn. Sie hat verschiedene Publikationen zur österreichischen Literatur und Kultur nach 1945 und zum Exil vorgelegt, u.a: Against the Horizon: Feminism and Postwar Austrian Women Writers, Westport 1988, and Reclaiming ‚Heimat‘: Trauma and Mourning in Memoirs by Jewish Austrian Réemigrés, Detroit 2001. Ihre jüngste Publikation zum Thema Exil ist: Cohesive Epistolary Networks in Exile, in: Helga Schreckenberger (Ed.), Networks of Refugees from Nazi Germany: Continuities, Reorientations, and Collaborations in Exile, Amsterdam 2016, 247–261

 

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